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Kuschelecke, Schlaraffenland und das Örtchen für die Pinkelpause: Der Wegweiser zeigt, wo es langgeht. Die Band Karolina Kingdom gab auf der Hauptbühne des Jakob-Festivals ihr Abschiedskonzert. Foto: ff
Kuschelecke, Schlaraffenland und das Örtchen für die Pinkelpause: Der Wegweiser zeigt, wo es langgeht. Die Band Karolina Kingdom gab auf der Hauptbühne des Jakob-Festivals ihr Abschiedskonzert. Foto: ff

Das Jakob-Festival im Lüneburger Kurpark

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Das erste eigene Open-Air-Konzert auf die Beine zu stellen — das ist aufregend genug. Am Sonnabend aber, als im Kurpark das Jakob-Festival starten sollte, tauchten dunkle Wolken am Horizont auf. Wer die Wettervorhersage googelte, der sah Tiefdruck-Zonen, die sich von Hannover nach Norden schoben. Am Ende hatte das junge Team das Glück der Tüchtigen: Bis auf ein paar Tröpfchen zwischendurch blieb alles im Trockenen, und das Festival wäre wohl — so oder so — ein Erfolg geworden.

Zwischen Konzertmuschel und Wandelgang hatten die Veranstalter, rund 25 Lüneburger zwischen 14 und 25 Jahren, eine knallbunte Festival-Welt errichtet — mit Info-Ständen von amnesty international und Greenpeace bis „Lernfabriken…meutern!“, mit Tischen und Decken, auf denen Farben und allerhand weitere Utensilien bereitstanden. An jeder Ecke war die Liebe zum Detail spürbar. Für ein Publikum ab zwölf Jahren war das Ganze konzipiert, entsprechend bildeten Teenager den größten Teil des Publikums, am Nachmittag wurden bereits viele hundert Gäste gezählt.

Wer Bierdurst hatte, musste sich mit einem schwarzen Armbändchen ausweisen, das er am Eingang erhalten hatte — es wurde sogar an grauhaarige Besucher ausgegeben, die allerdings dafür beim Empfang keinen Ausweis vorzeigen sollten.

Zappelplatz im Wandelgang

Im Wandelgang gab es einen „Zappelplatz“, einen Ort zum Tanzen also, der von einer kleinen Bühne beschallt wurde. Hier füllten die Musiker die Umbaupausen der großen Bühne. Das erinnerte an das Lunatic-Festival, das tatsächlich in einigen Facetten, auch was den Faktor Nachhaltigkeit betrifft, als Vorbild gedient hatte. Mittelpunkt des entspannten Geschehens war natürlich die Muschel. Die Downtown Rats eröffneten hier um 13.30 Uhr den Reigen, die Band Karolina Kingdom um den Sänger Leon Feickert gab — nach drei Jahren — nun ihr Abschiedskonzert, die KotaConnection präsentierte zum Abschluss „Sofakante“ als special guest. Mit dabei: Brass Riot und Mighty Day Times, Max Busch und Wolfs­kind, Pecco Billo und Kei_jto — vor allem Lüneburger Musiker, auch das gehörte zum Plan, standen auf den beiden Bühnen.

Zwischen den Teenagern spazierten einige Eltern über das Gelände. Manche mögen sich daran erinnert haben, wie im Jahre 1978 zum ersten — und vorerst letzten — Mal Kurpark-Rock zu hören war. „Das war mein erster Job als Praktikant im Anerkennungsjahr“, erinnert sich Lüneburgs altgedienter Stadtjugendpfleger Hubertus Heinrich, der sich nun langsam auf den Ruhestand vorbereitet. „Ich finde es klasse, dass der Faden jetzt wieder aufgenommen wird.“ Lange Zeit sei der Kurpark als Konzert-Ort für Rockmusik tabu gewesen — zu laut für die Anwohner.

Der Stadtjugendring hatte das Jakob-Festival organisatorisch unterstützt. Über die Zusammenarbeit mit dem ebenso unerfahrenen wie engagierten Veranstalter-Team sagt Hubertus Heinrich nur Gutes: Bereits im Vorfeld hatte die Truppe zwei Warm-up-Partys im Vamos auf die Beine gestellt — „alles völlig problemlos, und außerdem akribisch bis auf den letzten Cent abgerechnet“. Das klingt gut und öffnet die Tore für ein zweites Jakob-Festival.