Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Das Lüneburger Bachorchester, aufgenommen in der Klosterkirche Lüne. Dort wird es am 4. September wieder Platz nehmen. Foto: A/t&w
Das Lüneburger Bachorchester, aufgenommen in der Klosterkirche Lüne. Dort wird es am 4. September wieder Platz nehmen. Foto: A/t&w

Junge Talente, alte Bekannte bei der Lüneburger Bachwoche

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Bachwochen gibt es in vielen Städten, seit 1946 etwa in Greifswald, seit 1948 in Ansbach. In Lüneburg dauerte es da noch 30 Jahre, bis ein wiederkehrendes Festival den bedeutendsten Barockmusiker ehrt. Dabei spielt Lüneburg, anders als Ansbach und Greifswald, im Leben von Johann Sebastian Bach eine wichtige Rolle. immerhin lief er mit 15 Jahren die gut 300 Kilometer zu Fuß von Thüringen nach Lüneburg, um an der Michaelis-Schule unterzukommen. 1978 also gründete Claus Hartmann die Lüneburger Bachwoche, die vom 4. bis 10. September in diesem Jahr ihre 30. Ausgabe erlebt.

Es könnten einige Durchgänge mehr sein, aber seit 1998 gelingt es nur noch alle zwei Jahre, eine Bachwoche auf die Beine zu stellen. Der heute 83 Jahre alte Geiger und Musikpädagoge Claus Hartmann ist seit Beginn musikalischer Leiter der Bachwoche. Seine Frau Dorothea spielt nicht nur Cembalo und Klavier, sondern sitzt wie ihr Mann auch im Vorstand des Trägervereins. Das erste Pult beim Bachorchester, das stets die Eröffnung übernimmt, räumte Claus Hartmann beizeiten. Den Platz übernahm Tochter Leonie Hartmann, die alltags im Staatsorchester Mainz spielt. Bachwoche und -orchester haben Züge eines Familienunternehmens.

Junge Geigentalente im Mittelpunkt

Claus Hartmanns Liebe zum Geigenspiel schlägt sich in den Programmen nieder. Die Zahl großartiger Geiger, die er nach Lüneburg lockte, ist lang. Unter anderem spielten — meist im Kloster Lüne — Thomas Brandis, Daniel Gaede, Isabelle van Keulen, Christian Tetzlaff, Thomas Zehetmair und als ausgewiesener Experte für den möglichst authentischen Barockklang Reinhard Goebel. Hartmann gelang es oft, Preisträger des bedeutenden Joseph-Joachim-Wettbewerbs zu verpflichten, zu einem Zeitpunkt, als ihre Gagen noch nicht in die Höhe schnellten.

Zu den weiteren prominenten Musikern, die im Laufe der Bachwochenjahre nach Lüneburg kamen, zählen die Trompeter Maurice André und Ludwig Güttler, Blockflöten-Star Michala Petri (Blockflöte), und unvergessen sind die Cembalo-Abende mit Zuzana Ruzickova. Manche Solisten kommen wieder. Die beiden Solo-Abende in diesem Jahr gestalten Geiger Tobias Feldmann und Pianistin Miku Nishimoto, beide waren bereits in der Bachwoche zu erleben.

Die 30. Bachwoche, also ein Jubiläum, bietet sechs Konzerte und einen Vortrag:

Sonntag, 4. September, 20 Uhr, Kloster Lüne: Das Bachorchester spielt vom Namensgeber das 1. Brandenburgische Konzert (BWV 1046) und die Sinfonia D-Dur aus der Kantate „Am Abend aber desselbigen Sabbats“ (BWV 42). Außerdem stehen Mozarts Divertimento D-Dur (KV 251) und seine Sinfonie g-Moll (KV 550) auf dem Programm.

Am Montag, 5. September, um 20 Uhr spricht Prof. Dr. Ludger Lohmann, der bereits bei der Bachwoche 2014 mitwirkte, in der Elisabethkapelle St. Johannis über Bachs „Kunst der Fuge“; am Dienstag, 6., spielt er das Werk um 20 Uhr auf der großen Johannisorgel. Das Konzert ist zugleich Teil des Lüneburger Orgelsommers.

Wie bei der Bachwoche 2014 gibt Geiger Tobias Feldmann einen Soloabend, am Mittwoch, 7. September, um 20 Uhr in Kloster Lüne — mit den Bach-Partiten d-Moll (BWV 1004) und E-Dur (BWV 1006), außerdem spielt er Eugène Ysaÿes Sonate für Violine solo.

Eine weitere gute Bekannte der Bachwoche ist die Pianistin Miku Nishimoto-Neubert, zuletzt Gast 2012. Am Donnerstag, 8. September, um 20 Uhr im Fürstensaal wird sie Musik von Bach und Beethoven sowie Liszts Phantasie und Fuge über B A C H interpretieren.

Immer ging und geht es Claus Hartmann um den Nachwuchs: Der kommt am Freitag, 9. September, um 16 Uhr zu Wort. Dann spielen im Forum der Musikschule „Jugend musiziert“-Bundespreisträger.

Zum Finale erklingt das Magnificat

Bachs Vokalwerk ist das Finale gewidmet. Singen wird Sonnabend, 10. September, 20 Uhr in St. Nicolai das Hugo-Distler-Ensemble. Neben der jüngst in St. Marien vorgetragenen Motette „Jesu meine Freude“ stehen die Kantate „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ (BWV 137) und das mindestens so klangprächtige Magnificat auf dem Programm. Das Bachorchester spielt, Solisten sind Isabell Bringmann (Sopran), Nicole Pieper (Alt), Clemens Löschmann (Tenor) und Christfried Biebrach (Bass). Leitung: Erik Matz.

Bei Hartmanns geht der Blick gen 2018, da wird das Bachorchester 40 Jahre, soll die Bachwoche ins Frühjahr wandern.