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Ulrike Walther, Uwe-Lüders-Stipendiatin, an einem ihrer liebsten Lüneburg-Orte, dem Johann-Sebastian-Bach-Platz. Foto: t&w
Ulrike Walther, Uwe-Lüders-Stipendiatin, an einem ihrer liebsten Lüneburg-Orte, dem Johann-Sebastian-Bach-Platz. Foto: t&w

Lüders-Stipendiatin Ulrike Walther malt und malt

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Sie hat den großen Flachbildschirm des Fernsehers zugestellt, die alten Stühle und den runden Tisch sorgfältig mit Plastikfolien überzogen. Nichts soll sie ablenken von dem, was sie hier vorhat. Jeden Tag zwei Bilder, das ist die innere und ein wenig auch die äußere Vorgabe. Mit ihr zieht Ulrike Walther in diesen Tagen durch die Stadt zieht. Was sie vor Ort festgehalten hat, verfeinert sie in diesem schönen Altbau im Roten Feld. Ulrike Walther ist die zweite Künstlerin, die das Uwe-Lüders-Stipendium absolviert und das heißt: malen, malen, malen.

Ulrike Walther, Jahrgang 1973, stammt aus Pößneck in Thüringen, studierte an der Bauhaus-Universität Weimar und in Glasgow. Nicht Kunst, sondern Architektur. Sie arbeitete in Deutschland, in Europa, in Brasilien, im Kontext großer Büros. „Ich habe immer Vollgas gegeben. Ich hatte schöne Aufgaben“, sagt sie. Aber immer tiefer bohrte eine einfache und doch so schwere Frage: „Bin ich das?“ Der Wunsch zu malen wuchs, Ulrike Walther nutzte ihn mit Architektur-Illustration, das ließ sich verbinden. Sie buchte Kurse fürs Aquarellmalen — und sprang ab.

Man kommt nur übers Tun zur Sicherheit

Schnell gab sie selbst Kurse, malte Aufträge — es muss ja Geld reinkommen. Genau da setzt das Uwe-Lüders-Stipendium an: Es bietet Künstlern den Freiraum, losgelöst vom Geldzwängen eine Zeitlang das eigene Profil zu schärfen, einen Grundstock an Bildern zu schaffen.

Produktionsdruck ist schon spürbar, das Stipendium will die Professionalisierung fördern. Ulrike Walther genießt es: „Ich merke, wie gut es ist, einfach nur malen zu können, wie ich in einen Zustand komme, in dem es nur noch über die Intuition läuft, dann fließt es. Man kann es nicht mehr erklären — es ist.“ Anders, pragmatischer: „Man kommt nur übers Tun zur Sicherheit.“

Ulrike Walther malt vor Ort, bei fast jedem Wetter. „Man nimmt das Gefühl der Umgebung auf, sei es die Hektik, sei es die Ruhe.“ Also Lüneburg — schwierig. „Dieses ganze Rot!“ Sie hat sich die Stadt Tag um Tag und Bild um Bild malend erobert. Da liegen die Ergebnisse nun auf dem Boden im Roten Feld, mal leicht und luftig, mal detaillierter, mal die Hülle, mal das Wesen und möglichst beides erfassend: Kirchen, Plätze, Backsteinhäuser, Kalkberg und viele Orte, deren Perspektive erfrischend neu ist.

Künstlerin lebt in Harmstorf

Wer so intensiv malt wie die sonst in Harmstorf lebende Künstlerin, lernt viel über sich. „Ich merke, es muss noch weitergehen. Ich muss mich von meinem Perfektionismus lösen“, sagt Ulrike Walther. Kunst muss im Fluss bleiben. Was nicht immer leicht ist. Auch ganz direkt. Manchmal sei man beim Malen vor Ort mehr Streetworker als Künstler, sagt die Malerin. Menschen stellen sich neben sie, schweigen lange und erzählen plötzlich ihre Lebensgeschichte. Andere fangen an, jeden Strich, jede Farbwahl zu kommentieren. Wenn sie aber produktiv sein will, braucht sie einen Grad an innerer Versenkung, sie kann nicht auf alle und alles reagieren.

Das Uwe-Lüders-Stipendium, eingerichtet bei der Sparkassenstiftung Lüneburg, wird mit einer Ausstellung abgeschlossen. Der Termin steht noch nicht.

Noch malt Ulrike Walther und malt und malt. Mittlerweile zieht es sie raus aus der Stadt, an die Elbe, an die Deiche, mit Blick in die Weite. Dieses Grün! Wieder so eine schöne Herausforderung.