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Das eher Dekorative überwiegt bei der Ausstellung, hier etwas Nettes aus Erlangen: Sabine Neins Arbeit Vom Winde verweht. Foto: oc
Das eher Dekorative überwiegt bei der Ausstellung, hier etwas Nettes aus Erlangen: Sabine Neins Arbeit Vom Winde verweht. Foto: oc

Ausstellung „Glasplastik und Garten“ lockt wieder nach Munster

Von Hans-Martin Koch
Munster. Es gibt jenseits von Wolf und Panzer nicht so arg viele Gründe, nach Munster zu fahren. Alle drei Jahre aber doch: Dann reisen Künstler von weither und auch Publikum in die Stadt, um Kunst und Kunsthandwerk aus Glas zu sehen. Zum zehnten Mal läuft jetzt die Ausstellung „Glasplastik und Garten“. Sie bietet viel Dekoratives, auch einiges Belangloses, aber dann wieder Überraschendes. Das kommt vor allem von einer Frau, die gerade von Süddeutschland nach Raven zog und den ersten Preis der Ausstellung gewann.

Simone Fezer hatte ihre drei Jungs dabei und tollte mit ihnen barfuß über den Rasen, als sie der Ruf ereilte: 1. Preis. Er ist mit 3000 Euro verbunden. Die Künstlerin hatte ihn 2008 schon einmal bekommen, da mit einer lebensgroßen, aus Glas geblasenen Gebärenden. Fezer, 1976 in Waiblingen geboren, entdeckte das Thema Glas-Skulptur vor 20 Jahren. Sie ließ sich unter anderem in den USA ausbilden und entwickelt mit dem Material Glas im Zentrum bevorzugt große Installationen, gern auf den Raum bezogen. In ihrem Werk sind Themen wie Vergänglichkeit, Zerbrechlichkeit und Schutzwürdigkeit zu finden.

Das Werk enthalte eine politische Botschaft

„Gebeine“ nennt sie eine irritierende, sich verzweigende Arbeit, in der sie Glas und Holz kombiniert. Scheinbar hat sich Moos auf Gebeinen abgelagert, die wie Rätsel einer Ausgrabung wirken. Den Preis 2016 aber bekam sie für „Fragile Worlds“, eine fast vier Meter hohe Installation aus unterschiedlichen Glaskörpern, die Welten zu hüten scheinen, die wiederum auf wackligen Beinen stehen. Die Arbeit, in die Text, Bilder, Spiegel einbezogen sind, strahlt etwas Archaisches und zugleich Spaciges aus. Es gibt dazu ein Video, aber dazu bräuchte die Arbeit einen abzuschattenden Innenraum. Das Werk enthalte eine politische Botschaft, meinte Juror Hans Wudy, Direktor der Glasfachschule Zwiesel. Jeder kann eine finden.

In den zentralen Parks, in der Urbanikirche und in der Stadtbücherei sind Arbeiten von 73 Künstlern zu entdecken. Seit Beginn der Ausstellungsreihe kamen schon mehr als 600 Künstler nach Munster, etwa die Hälfte mehrmals. Als künstlerischer Leiter und Initiator hatte der tschechische Glaskünstler Milan Vobruba, Jahrgang 1934, die Ausstellung auf den Weg gebracht. Er ist wenige Tage vor der zehnten Ausgabe gestorben. Seit langem aber kümmern sich die Stadt und ein Arbeitskreis um die „Glasplastik und Garten“-Präsentationen. Dazu zählt, die draußen stehenden Werke rund um die Uhr zu bewachen.

Den zweiten Preis erhielt Yo­shi­ko Okada aus Frankreich für „Float down stream — Ode to Ophelia“, eine düster poetische Plastik in der Örtze. Der dritte Preis ging an Jürgen Ferdinand Schulz aus Kleinwitzeetze. Bis zum 18. September lohnt die Fahrt nach Munster, dann wird zum Abschluss ein Publikumspreis vergeben. Da haben sicher die vielen Arbeiten eine gute Chance, die Form, Farbe und Licht zu einem dekorativen Ganzen bringen.