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Ausschnitt aus einer Arbeit, in denen Sven Freundt Dinge des Alltags vernäht. Foto: oc
Ausschnitt aus einer Arbeit, in denen Sven Freundt Dinge des Alltags vernäht. Foto: oc

Werke aus der Hamburger Galerie der Villa in Dahlenburg

Von Hans-Martin Koch
Dahlenburg. Wo fängt Kunst an? Die Frage ist simpel, aber es lässt sich herrlich fachsimpeln, um auszuloten, wann denn was als Kunst gelten darf. „Orte des Staunens“ hat der Kunstverein Region Dahlenburg als Jahresmotto ausgegeben. Die aktuelle Ausstellung führt mitten hinein in die Wunderwelt des Gehirns und der Fantasie und zu Werken, die der Fachsimpel als Art brut einordnet. Zu Gast im Kunstfleck ist die Galerie der Villa mit sechs Künstlern, die mit unterschiedlichen geistigen Handicaps leben.

Die Galerie der Villa ist Part der Hamburger Elbe-Werkstätten. Wer hier in die Abteilung Kunst kommt, wird genau angeschaut, denn was mit professioneller Hilfe produziert wird, soll sich öffentlich behaupten können. 14 Mitarbeiter zählt die Galerie derzeit, sechs sind in Dahlenburg vertreten, mit sehr unterschiedlichen Werken.

Was sie verbindet, ist so etwas wie Fülle. Ob sie nun mit Blei- und Filzstift arbeiten, mit Textilien oder so etwas wie Poesie-Künstlerbücher schaffen, immer gehen sie ins Detail, füllen den Raum oder überfüllen ihn sogar, Schichten aus Schriftzeichen oder Collagenmaterial überlagern einander.

Harald Stoffers, 1961 geboren, hat es mit seinen Schriftbildern zu Ausstellungen bis New York gebracht. Was mit einem Wort begann, wucherte zu einem System von Briefwerken. Stoffers zieht mit der Hand Linien, in die hinein setzt er Worte und Sätze. Diese „Briefe“ mögen eine Art Inhalt haben, doch wachsen sie in erster Linie zu einem System grafischer Zeichen, Schwünge und Wellen. Schon 2005 erschien ein Buch mit Stoffers-Briefbildern. Manche seiner Bilder sind von monumentalem Maß, alle wirken sie wie Partituren seines Inneren.

Eine gewisse Verwandtschaft gibt es mit den Zeichnungen von Tim Jendrzejewski. Seine Bilder sind aber entfesselter. Über gestrichelten Wellen, die auf den ersten Blick an Handschrift erinnern, verdichten sich wie Wolkenfetzen schwarze Farbflächen, aufgelockert durch Farbe.

Objekte, die voller Geschichten stecken

Farbige Energie liefern Manuela Kochs Tapeten, Paul Kai Schröders akribische Mal-Labyrinthe und die Buchobjekte, in die Anja Scheffler-Rehse Text, Zeitungsausrisse, Spielzeug, Alltagsgegenstände und mehr integriert. Diese voller Geschichten steckenden Objekte waren unter anderem bei der Kulturellen Landpartie im Wendland zu sehen. Schließlich Sven Freundt: Als textile Assemblagen werden seine Objekte bezeichnet, bei denen er auf eine Art Netz Schaumstoff, Holzperlen und vieles wie zufällig Gefundenes zu phantastischen Landschaften vernäht.

Was oft spielerisch erscheint, wird mit großer Ernsthaftigkeit erarbeitet und will auch so verstanden sein. Das ist in der Kunst so wie im Leben, um es simpel zu sagen. Die Ausstellung öffnet bis 25. September Sonnabend/Sonntag von 14 bis 16 Uhr.