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Constanze Straub und Karl-Ernst Gaertner stellen  beziehungsweise hängen  unterschiedliche  Techniken und Sichtweisen gegenüber. Foto: ff
Constanze Straub und Karl-Ernst Gaertner stellen beziehungsweise hängen unterschiedliche Techniken und Sichtweisen gegenüber. Foto: ff

Bitumen und Intagliotypien

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Bitumen und Gipsspachtelmasse, Beize und Marmormehl: Wenn die Künstlerin Constanze Straub neues Material kauft, dann geht sie nicht ins Fachgeschäft für Farben und Leinwände, sondern in den Baumarkt „das ist meine Boutique“, sagt sie. Auch Karl-Ernst Gärtner pflegt ungewöhnliche Techniken, seine Kunst heißt Intagliotypie: ein ungiftiges Radier- und Tiefdruck-Verfahren, mit dem ein Motiv von einer transparenten Zeichenfolie auf eine Druckplatte übertragen wird. Ergebnisse zeigen Constanze Straub und Karl-Ernst Gaertner ab Sonntag, 4. September, im Heinrich-Heine-Haus Vernissage: 11.30 Uhr.

„Ausschnitte“ heißt die Doppel-Ausstellung, die in der Regie des Bundes Bildender Künstler (BBK) Lüneburg Malerei, Papierschnitte und Drucke präsentiert. Optisch und inhaltlich sind die Exponate so unterschiedlich wie ihre Techniken. Die Hohnstorferin Constanze Straub, im Hauptberuf Designerin und Fotografin, bleibt in der Malerei konsequent beim Quadrat-Format, ein Ausschnitt aus dem normalen Sehfeld also.

Gegenstandslose Szenarien

Zu sehen sind weitgehend gegenstandslose Szenarien, Landschaften, Krater und Kämme, in der Baustoffmasse erstarrte Ströme und Eruptionen. Eingemischte Pigmente sorgen für die Farbakzente. Die nicht beeinflusste Reaktion der Materialien aufeinander gehört zum künstlerischen Prozess, das gilt auch für das wechselhafte Auftragen und Abkratzen, für all das Kratzen, Schaben und Schneiden, bis die Bilder eine zufriedenstellende Form gefunden haben.

Der Lüneburger Karl-Ernst Gaertner lernte Schriftsetzer und Luftbildfotograf, studierte Kunst und dozierte in Hamburg über Typographie. Im Heine-Haus setzt er gegen die amorphen Motive Straubs die klare Linie. Papierschnitte, Grafiken, die zuweilen an Piktogramme erinnern, also an Aussagen und Aufforderungen, die mit möglichst wenigen Linien erzielt werden. Es sind zugleich Traumsequenzen, aufgelöste und verwirbelte Schablonen-Strukturen, die aber immer noch ihre Herkunft erkennen lassen: ein schwebendes Paar beispielsweise, oder ein Taucher, viel Wert legt Gaertner in seinen Drucken, Intagliotypien wie Monotypien, auf die Vielfalt der Formen, massive Flächen werden mit haarfeinem Gewebe kontrastiert.

Die Ausstellung läuft bis zum 18. September, geöffnet jeweils mittwochs, sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Vernissage: Sonntag, 11.30 Uhr.