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Videosequenzen und andere Illustrationen umrahmten das Henry-Purcell-Konzert des Kreis-Chorverbandes und schufen eine eindringliche Atmosphäre. Foto: t&w
Videosequenzen und andere Illustrationen umrahmten das Henry-Purcell-Konzert des Kreis-Chorverbandes und schufen eine eindringliche Atmosphäre. Foto: t&w

Rund um Henry Purcell

Von Heinz-Jürgen Rickert
Winsen/Salzhausen. Als die Oper laufen lernte, gab er dem jungen Genre einen gehörigen Schub. Auch viele andere seiner Werke verströmen eine Neigung zur dramatischen Finesse: Henry Purcell (1659-1695), der bedeutende englische Komponist, legte vielfältig Spuren aus, die bis heute faszinieren. Grund genug, um ihm einen besonderen Abend zu widmen: eine multimediale Veranstaltung mit hohen Ambitionen, ausgeführt vom bestens aufgelegten Projektensemble des Kreis-Chorverbands Harburg/Winsen unter profunder Leitung von Stefan Roßberg. Jetzt präsentierten die Akteure ihr staunenswertes, begeisterndes Resultat in den Kirchen von Winsen/Luhe und Salzhausen.

Henry Purcell schrieb reichlich Sakrales, Krönungspartituren für Könige und Totenmessen für prominente Häupter, die beiden im Repertoire konservierten Opern „King Arthur“ sowie „Dido and Aeneas“ und manches mehr. Für die damalige Zeit eine oft ziemlich pompöse, aber zugleich immer wieder auch sehr einfühlsame Musik mit frühbarockem Klang-Fluidum. Ein Komponist, der mit technischem Verstand und künstlerischem Gespür für Wirksamkeit der Nachwelt großartige Stücke hinterließ, stattliche 1000 waren es in seinem kurzen Leben insgesamt.

„Orpheus Britannicus“ durften die Londoner Kunstfreunde den damaligen Popstar bald nach seinem Tod offiziell und anerkennend titulieren. Seine spezifische Handschrift weckt Emotionen, spricht die Seele an. Süffig fällt der Tonfall oft aus, bevorzugt geschmeidig und vor allem eindringlich. Purcell lotete äußerst subtil Gefühle aus: Trauer, Freude, Sehnsucht zum Beispiel — pure Leidenschaft, die sich in den Chorpassagen verdichtet und enorme Expressivität ausstrahlt. „Music for a while“ nannten die Beteiligten den konzertanten und kurzweiligen Streifzug durch das beeindruckende Schaffen.

Videosequenzen, historische Illustrationen, Comics und Raum-Illuminationen sorgten für sorgsam austarierte Stimmungen. Eine Installation, die Schwingungen auslöste. Sprecher Volker Lohmann reicherte mit sonorer Stimme das gelungene Programm mit biografischen Notizen zu Leben und künstlerischem Anspruch des genialen Talents an. Akzente, die dem Abend fast szenisches Format gaben.

Stefan Roßberg ließ den Projektchor tief in das Idiom des Briten eintauchen und hineinhorchen. Unterstützt von Bläsern und Streichern nahmen die Interpreten diese Fährte mit Verve, Disziplin und Gestaltungswillen auf, breiteten Purcell ein fulminantes Spektrum aus, vom Lamentoso bis zum Jubelgesang, vom eher derberen Trinklied bis zu fragiler Anmut. Der Dirigent und Impulsgeber setzte klare Zeichen, auch solistisch am Cembalo. Lautmalerische Rohdiamanten, die sämtliche Mitwirkenden kraftvoll, stimmstark und homogen zu Klang-Brillanten schliffen.