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Eigentlich könnten sie loslegen, aber noch proben sie, vorn Thomas Ney, hinter ihm (v.l.) Leif Scheele, Erika Döhmen und Isabel Arlt. Premiere ist am 16. September. Foto: oc
Eigentlich könnten sie loslegen, aber noch proben sie, vorn Thomas Ney, hinter ihm (v.l.) Leif Scheele, Erika Döhmen und Isabel Arlt. Premiere ist am 16. September. Foto: oc

Thomas Ney wird zum Ekel

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Irgendwann musste die Sache mit Loriot ja mal auslaufen. Auf der Suche nach etwas Neuem, das viele kennen, also eigentlich nach etwas Altem, aus dem sich Neues schöpfen lässt, landete der Schauspieler und Regisseur Thomas Ney bei Ekel Alfred. Wolfgang Menges Serie „Ein Herz und eine Seele“ war ein Hit in den 70ern, der Zusammenprall von Alfred Tetzlaffs Kleinbürgermief und einem Schwiegersohn mit 68er-Geist sorgte für fette Quoten. Ab Freitag, 16. September, ist Ney in der KulturBäckerei das Ekel Alfred — und der Vorverkauf brummt seit Wochen.

„Ein Herz und eine Seele“ wurde in den 1970er-Jahren zum TV-Hit. Autor war Wolfgang Menge, er hatte schon zehn Jahre zuvor mit der „Stahlnetz“-Serie ins Schwarze getroffen und mit dem schockierenden Film „Das Millionenspiel“ (1970) große Erfolge gefeiert. Menge fand mit einer englischer Serie als Vorbild den richtigen Ton für eine piefige, konservative Welt, die mit den Veränderungen der Zeit nicht umgehen konnte und wollte. Alfred Tetzlaff poltert im Wattenscheider Reihenhaus als Familientyrann über alles: Ausländer, Sozis, Juden, Langhaarige etc. sein Wissen bezieht er aus der Bild-Zeitung, und er glänzt mit krachend schiefen Zitaten. Seine Frau Else, kurz die „dusselige Kuh“, ist zum einfältigen Hausmütterchendasein verdammt. Tochter Rita lebt mit ihrem Mann Michael in ihrem Kinderzimmer. Tetzlaff hält seine Tochter für missraten, den Schwiegersohn tituliert er als „langhaarige bolschewistische Hyäne“ oder schlimmer.

Autor Wolfgang Menge starb 2012

Von den Machern und Spielern der Serie lebt heute niemand mehr. Autor Wolfgang Menge starb 2012, Alfred-Darsteller Heinz Schubert 1999. Mit dabei waren als Else Elisabeth Wiedemann (1926-2015); in Staffel zwei Helga Feddersen (1930-1990), als Tochter Rita Hildegard Krekel (1952-2013), den Schwiegersohn verkörperten Diether Krebs (1947-2000) und in Staffel zwei Klaus Dahlen (1938-2006).

Erika Döhmen, die in der KulturBäckerei als „dusselige Kuh“ und Ehefrau zu sehen ist, hat aus zwei der insgesamt 25 TV-Episoden eine Geschichte gebaut. In anderen Bühnenproduktionen werden stets zwei Folgen, getrennt von einer Pause, gespielt. In der KulturBäckerei wird dagegen eine durchgängige Geschichte zu erleben sein. Den Alfred Tetzlaff spielt Thomas Ney. Dazu kommen Isabel Arlt als Tochter Rita und Leif Scheele als Seitenscheitel tragender Schwiegersohn. Zwei kleine Rollen sind auch dabei, als junger Ausländer ist Pourya Ezzati Pour dabei. Außerdem spielen alternierend Gerhard Kensböck und Georg Becker.

Es gibt, da „Ein Herz und eine Seele“ so gut wie ausverkauft ist, zwei Zusatztermine: Sonnabend, 1. Oktober, um 19.30 Uhr und Sonntag, 2. Oktober, 16 Uhr.