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Erinnerung von Joan Stephan an China und an den Schaalsee (Bild im Ausschnitt) von Paul Hoos. Foto: ff
Erinnerung von Joan Stephan an China und an den Schaalsee (Bild im Ausschnitt) von Paul Hoos. Foto: ff

Malerei von Joan Stephan und Paul Hoos

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Eine Ausstellung auf zwei Etagen aufzuteilen, das ist oft eine sperrige Angelegenheit. Bei der Malerei-Doppel-Präsentation von Joan Stephan und Paul Hoos aber ist die Eigentümlichkeit des Lüneburger Wasserturms, seine Besucher eher in der Vertikalen als in der Horizontalen wandern zu lassen, geradezu ideal. Zu sehen sind Gemälde, die in dem einen Fall sehr bodenständig und lebensprall sind, und im anderen eher das Empfinden und Erleben schildern.

Auf Ebene zwei des Wasserturms, die eher wie ein Kirchengewölbe wirkt, behaupten sich die Arbeiten (vor allem Acryl auf Leinwand) von Joan Stephan. Zu sehen ist der Mensch an sich in diversen Alltags- und Feriensituationen: Männer auf der Baustelle, kichernde Teenager, gelangweilte und interessierte Betrachter einer Galerie — und immer wieder Urlauber am Strand, die ihre dicken Bäuche in die Sonne halten, in ein Buch vertieft, gelangweilt oder schon längst eingeschlafen sind.

Die Spannung ergibt sich aus dem Szenario. Der junge Mann, der versucht, eine kleine Skulpturengruppe mit dem Fotoapparat einzufangen, und sich dafür in eine schiefe Körperhaltung zwingt, erzeugt eine ganz andere Bild-Dynamik als die drei elfjährigen Chinesinnen, die sich fröhlich tanzend und Grimassen schneidend von Joan Stephan fotografieren ließen. Die Malerin überhöht nicht, auch wenn manche Motive wie Karikaturen wirken, und lässt (bis auf Nebensächliches) auch nichts weg, ein Faltenwurf bekommt die gleiche Aufmerksamkeit wie ein Gesichtsausdruck, es gibt Licht und Schatten, klare Farben und wenig Graubereiche. Das zwingt zu Präzision und Komposition, zu einem klaren Standpunkt.

Die kleinformatigen Gemälde von Paul Hoos haben eine Etage höher, also auf Ebene drei, ihren passenden Platz dicht beieinander gefunden, und zwar als Reihe auf weißer, kreisrunder Wand: Erde, Wasser und Luft, Blicke vom Segelboot auf den Schaalsee, der sich in wechselnden Stimmungen präsentiert, vom Maler auf die Elemente an sich verdichtet wird. Dafür setzt Hoos, Architekt und Kunstpädagoge, auf altmeisterliche Technik, auf lasierende Ölmalerei, die dem Bild Tiefe gibt.

In einem zweiten Zyklus (Acryl auf Aluminium) zeigt der Maler Inseln aus der Vogelperspektive, Stege — als Zeichen des Überganges — werden zu Rechtecken reduziert, immer weiter führt der Architekturmaler zu den Grundformen, was die Aufmerksamkeit auf die Aussagen der Farbe lenkt. Auch die fast durchgehende Verwendung des Quadrat-Formats, das dem menschlichen Blickfeld widerspricht, führt — ebenso wie der kleine Maßstab zu Abstraktion und Verdichtung.

Die Ausstellung im Wasserturm läuft bis Ende Oktober.