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Die Bank wird bald eine Rolle im Bleckeder Theater spielen. Jetzt haben erst einmal Undine Andersonn, Peter Andersonn (links) und Richard Wagner darauf Platz genommen. Mit ihnen freut sich Bürgermeister Jens Böther über die neue Bühne. Foto: ff

TheaterStall in neuem Domizil

Bleckede. Über Jahrhunderte bildete das Domizil in der Zollstraße den gesellschaftlichen Heimathafen der Elbschiffer. Dann wurde das große, aber altersmüde Haus dichtgemacht. Es verfiel, wurde ersteigert, in Schuss gebracht und als „Haus der Künste“ wieder aufgeschlossen. Die Plattsnacker traten hier auf, Musiker und Schauspieler probten für das Musical zur 800-Jahr-Feier. Jetzt ist es ein Stall ein Theaterstall natürlich. Die Proben laufen, im November soll sich der Vorhang für die erste Premiere heben.

Den etwas seltsamen Bühnen-Namen haben Undine und Peter Andersonn aus Brackede mitgebracht. Denn dort betrieben die beiden Regisseure, Musiker, Schauspieler und Theater-Autoren zwölf Jahre lang eine kleine Privatbühne, die tatsächlich in einem ehemaligen Stall untergebracht war. Weil die Andersonns dort keine Perspektive mehr sahen, suchten sie eine neue Bleibe. Sie wurden nach jahrelanger Suche im gesamten Landkreis, vor allem die Brandschutz-Auflagen machten das Unternehmen schwierig, schließlich in der Nachbarschaft fündig: bei Richard Wagner.

Kronleuchter und Deckenmalereien

Der Bleckeder Bauingenieur und Unternehmer hatte seit 2008 eine gute halbe Million Euro in den Kauf und die Restaurierung seines „Hauses der Künste“ gesteckt: neue Heizung, moderne Stühle, professionelle Licht- und Bühnentechnik, Toiletten, Garderobe, Backstage-Bereich sogar ein Konzertflügel und eine zwölf Quadratmeter große Leinwand samt Beamer für Rückprojektionen gehören zum Equipment. Blickfang sind die von vier Kronleuchtern in Szene gesetzten bunten und etwas eigenwilligen Deckenmalereien, die Wagner bei einer russischen Firma in Auftrag gab. Aus Indonesien wiederum stammen die beiden großen Steinfiguren am Eingang fernöstliche Liebesgöttinnen.

Bürgermeister Jens Böther freut sich über das neue Theater mitten im Städtchen, er hatte am Treffen der Andersonns mit dem Hausherrn mitgewirkt, außerdem hilft die Kommune übergangsweise bei der Bereitstellung der Pflicht-Parkplätze. Mäzen Richard Wagner wiederum freut sich über den zwar nicht einträglichen, aber professionellen Betrieb seines Kunst-Hauses er hat es für einen symbolischen Euro pro Monat verpachtet.

Zurzeit stehen je neun Stühle in acht Reihen im Auditorium, macht 72 Stück. Platz wäre für über hundert, „aber wir werden wohl nur 60 stellen und vielleicht einen Teil des Saales abtrennen“, sagt Peter Andersonn, er will den gewohnten Charme einer Brettlbühne erhalten, mehr Nähe bieten und dafür öfter spielen lassen.

Es gib zu wenig Rollen für Frauen

Undine Andersonn feilt derweil an einem neuen Stück, „Gott Mutter“, ein Stück für vier Frauen aus drei Generationen: „Es gibt viel zu wenig Stücke mit vielen Frauenrollen“, also hat sie eben selbst eines geschrieben. Das Ensemble, zusammengesetzt aus ambitionierten Amateuren, besteht aus zehn Frauen und vier Männern. Peter Andersonn arbeitet an der Inszenierung für Karl Schönherrs Drama „Die Weibsteufel“, außerdem soll die Komödie „Noch einmal verliebt“ von Joe DiPietro auf dem Programm stehen.

Der Schaukasten draußen vor der Tür nennt noch keine konkreten Termine, dafür hat Richard Wagner in edlen Lettern eine Inschrift anbringen lassen: „Omni tempore ars speculum generis humani“, Kunst ist ein Spiegelbild der Menschheit. Und das gilt schließlich omni tempore, zu allen Zeiten.