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Das Hugo-Distler-Ensemble und das Lüneburger Bachorchester präsentierten Werke von Bach in ihrer komplexen Schönheit.  Foto: t&w
Das Hugo-Distler-Ensemble und das Lüneburger Bachorchester präsentierten Werke von Bach in ihrer komplexen Schönheit. Foto: t&w

Abschluss der 30. Lüneburger Bachwoche

Von Frank Füllgrabe
Lüneburg. Diese Melodie kennt wohl jeder: „Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Johann Sebastian Bachs Kantete (BWV 137) bildete den Auftakt des Finales, das letzte Konzert der 30. Lüneburger Bachwoche führte in die gutbesuchte St. Nicolaikirche.

Das Hugo-Distler-Ensemble und das Lüneburger Bachorchester boten mit drei Werken des Barockmeisters noch einmal Impressionen von der immer wieder aufblitzenden Genialität eines Kantors, der von vielen Fachleuten heute als der größte Komponist überhaupt eingeschätzt wird — und aus dessen Lebenszeit nur ein einziges, eilig gemaltes Öl-Porträt überliefert ist.

Bereits am Freitag hatten sich im Rahmen der Bachwoche Bundespreisträger von „Jugend musiziert“ in der Musikschule vorgestellt, Johann Sebastian Bach spielte hier eher eine Nebenrolle. Der Hornist Raul Maria Dignola und der Pianist Jan-Aurel Dawidiuk eröffneten das Programm mit Beethoven und (Eugène) Bozza, Max Vogeler (Oboe/Englischhorn) und Nora-Lisann Gross (Klavier) führten zu Henri Dutilleux und Carlo Yvon, Eva Gasparyan und Oksana Goretska stellten in der Besetzung Flöte/Klavier ihre Interpretationen von Werken Gabriel Faurés und Sergej Prokofievs vor. Der Namensgeber der Konzertwoche war — neben anderen Komponisten — in den Vorträgen der Violinistin Carolin Lindner (Auszüge aus der Partita h-Moll) und der Cellistin Alina Jaqueline Stieldorf (Suite C-Dur) vertreten.

Bundespreisträger von „Jugend musiziert“

Den großen Schlussakkord aber gestalteten Chor und Orchester unter der Leitung von Erik Matz mit einem reinen Bach-Programm. Isabell Bringmann (So­pran), Nicole Pieper (Alt), Clemens Löschmann (Tenor) und Christfried Biebrach (Bass) waren insgesamt vergleichseise wenig gefordert, sie setzten schimmernde Akzente in der Kantate und dem „Magnificat“ (BWV 243).

Den Mittelteil bildete die fünfstimmige Motette „Jesu meine Freude“, vermutlich komponiert für ein Begräbnis oder eine Gedächtnisfeier. Der Text spricht vom Verlassen der weltlichen Angelegneheiten und der Hinwendung zu Jesus, alle Traurigkeit löst sich schließlich in Trost und Hoffnung auf. Durch den Verzicht auf Orchesterbegleitung richtet sich die Aufmerksamkeit allein auf die Tragfähigkeit der Melodien, das Hugo-Distler-Ensemble bewältigte diese Aufgabe mit Empathie und fein austarierter Klangschönheit.

Das abschließende Magnificat gilt in mehrfacher Hinsicht als Besonderheit. Alle Sätze sind ungewöhnlich kurz, die Stimmungen wechseln schnell, da ist ein reges Kommen und Gehen auf der Bühne.

Kommen und Gehen auf der Bühne

Der Chor ist durch die — bei Bach eigentlich seltene — wiederum fünfstimmige Gesangs-Partitur gefordert. Erik Matz führte mit knappem, aber präzisem Gestus souverän durch dieses filigrane Werk. Gesangs- und Instrumentalstimmen präsentierten sich — bei der nun mal nicht ganz unproblematischen Akustik einer großen Kirche — in allen dynamischen Entwicklungen sorgsam artikuliert, ausbalanciert, und gewährten einen faszinierenden Einblick in den Klangkosmos Johann Sebastian Bachs.

Er ist eben der Beste, bis heute beziehen sich Komponisten und Musiker auf ihn und seine Werke. Der Rock-Klassiker „A whiter shade of pale“ von Procol Harum etwa basiert auf Bachs berühmter „Air“ aus der D-Dur-Suite. Und Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards, selbst eine (erstaunlicherweise noch) lebende Legende, hat es so formuliert: „He is the daddy of us all“.