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Karl Schneider (l.) singt den Otello, Peter Felix Bauer den Jago. Foto: t&w
Karl Schneider (l.) singt den Otello, Peter Felix Bauer den Jago. Foto: t&w

Verdis „Otello“-Oper eröffnet Theatersaison

Lüneburg. Nirgendwo wird so mit Hingabe geliebt und gemordet, blühen Intrige und Hiebe so prächtig und so schauerlich wie in den Stücken von William Shakespeare. Es ist das 500. Jahr nach seinem Tod. Gleich dreimal widmet sich das Theater Lüneburg dem Dramatiker aller Dramatiker, ganz direkt und in Bearbeitungen. „Es ist ein grandios gebautes großes Scheitern“, sagt Intendant und Regisseur Hajo Fouquet über „Otello“, er meint die Verdi-Oper nach der gleichnamigen Shakespeare-Tragödie. Am Sonnabend feiert das Werk über Liebe, Leidenschaft, Eifersucht, Vertrauen und sehr fiese Ränke Premiere im Theater Lüneburg — große Oper mit alten und mit neuen Stimmen.

Jago und das tödliche Gift der Eifersucht

„Otello“ ist ein Spätwerk, geschrieben nach langer Schaffenspause, 1887 uraufgeführt mit triumphalem Erfolg. Die Oper ist anders als alle Verdis zuvor. „Kein Wort zu viel, kein Ton zu viel“, sagt Bühnen- und Kostümbildner Stefan Rieckhoff. „Jeder Satz will was, jeder Satz treibt voran“, meint Fouquet zu dem Werk, das sich wie aus einem Guss präsentiert. Der alte Verdi setzte Zeichen für die Moderne.
Otello, das ist der Außenseiter, der Andersdenkende und doch ein überaus erfolgreicher Feldherr. Er kehrt heim zum einzigen Menschen, dem er vertraut: Desdemona. Doch um ihn herum brodelt es, und Jago, der sich in seinem Karrierestreben von Otello übergangen fühlt, fädelt eine infame Intrige ein. Er träufelt Otello mit Geschick und Tücke das Gift der Eifersucht ins Herz. Die Wirkung ist — bekanntlich — mörderisch, Otellos Temperament zu groß, um den Verstand einzuschalten.

Herausfordernde Otello-Partie

Nicht jede Verdi-Oper eignet sich für das eher kleine Lüneburger Theater. „Man muss Mut haben“, sagt Fouquet — und die passenden Sänger. Karl Schneider, nie so gut wie in den vergangenen Jahren, wird die herausfordernde Otello-Partie singen. „Er lebt das“, sagt Fouquet zu seinen Beobachtungen bei der Probe. Als „Riesenglücksfall“ bezeichnet der Regisseur Sopranistin Signe Heiberg, die schon in der kleinen Produktion „Sterntaler und Rabenhexe“ in Lüneburg sang. Jetzt gehört die Dänin mit dem dunklen Timbre zum Ensemble, und Fouquet schwärmt regelrecht von ihrem „unglaublichen menschlichen und szenischen Gespür“.

Zweite Staffel im Dezember

Aber es gab einen Ausfall. Ulrich Kratz musste für die erste Staffel absagen. Den Jago singt nun Peter Felix Bauer, das machte er schon an der Dresdner Semperoper; seit 2014/15 ist er als Heldenbariton am Staatstheater Mainz engagiert. In eine Art „Machtraum“ werden Rieckhoff/Fouquet ihre Künstler führen. „Ein zerfallender Raum, der sich öffnen, aber auch wie ein Grab wirken kann“, sagt Stefan Rieckhoff. Das Licht wird den Charakter definieren, ob es golden schimmert wie die Macht oder düster wie das Drama. „Otello“ wird bis Ende Oktober gespielt und in einer zweiten Staffel im Dezember.

„Hamlet“ folgt – und ein Abend mit 38 Stücken

Der zweite große Shakespeare-Abend folgt in der Woche drauf. „Hamlet“ wird ab Freitag, 23. September, von Paul Brusa verkörpert. Brusa steht neu im Ensemble, er war bisher viel im Süddeutschen unterwegs. Regie führt Malte Kreutzfeldt, er hat den „Hamlet“ schon inszeniert.
Shakespeare Nummer drei bietet den Kontrast und kom­primiert 38 Stücke mit 1834 Rollen und einer Gesamtaufführungsdauer von mindestens 150 Stunden auf einen Abend. „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ heißt der Spaß, er wird von Matthias Herrmann zum 27. Oktober ins Rollen gebracht, im T.NT. Von Hans-Martin-Koch

 

Zuerst tanzt Aladin

Die erste Premiere der neuen Spielzeit findet bereits am Freitag, 16. September, statt und das schon morgens um 10 Uhr. Ballettchef Olaf Schmidt hat aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht die berühmteste ausgesucht: „Aladin“. Die Geschichte von dem Jungen mit der Öllampe und dem guten Geist darin ist auch eine Geschichte über die Liebe. Olaf Schmidt formt aus der Vorlage ein Märchen quer durch alle Tanzrichtungen und Musikstile – für Kinder und für alle, die ein bisschen Kind geblieben sind.