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Hat ihren ersten Auftritt in "Die Prinzessin und der Pjär"
Schauspielerin Stefanie Schwab ist neu am Theater in Lüneburg. Foto: t&w

Neu am Theater – und plötzlich Prinzessin

Lüneburg. Eigentlich müsste Stefanie Schwab ja Tänzerin sein. Das hat sie schon mit vier Jahren gemacht, am Theater in Stralsund, als dort Anton Nekovar Intendant war. Nekovar? Ja, der Mann, der in den 90ern in Lüneburg viele Musiktheaterabende in Szene gesetzt hat — und der vor zwei Jahren in seiner Heimatstadt Wien gestorben ist. Nun sitzt Stefanie Schwab in der Kantine des Theaters Lüneburg, Schauspielerin ist sie geworden, aber irgendwie tanzt sie auch im Sitzen beim Reden über den Weg von Ost nach West. Stefanie Schwab, 26 Jahre jung, ist eine der Neuen im Schauspiel des Theaters Lüneburg und plötzlich Prinzessin.

Eigentlich allerdings wollte sie ja gar keine Schauspielerin werden. Sie hatte ein Jahr als Au-pair in Stockholm verbracht, und bei „viel Kaffee, wenig Kinder“ kam der Beschluss, Skandinavistik und Anglistik zu studieren, was sie denn auch tat. In Kiel, also wieder eine Stadt am Wasser. „Das Studium habe ich mit 1,7 abgeschlossen, das können Sie ruhig schreiben“, sagt Stefanie Schwab und fügt hinzu: „Es war für die Katz“. Sie braucht Aktion, Leben — den Tanz durchs Leben.

Es ist ein gutes Gefühl, mit seiner Arbeit Geld zu verdienen

Eigentlich also wollte sie etwas ganz anderes. Sie hatte im Studium begonnen, nebenbei Theater zu spielen. „Dann habe ich mit Vorsprechen angefangen, weil andere mir das geraten haben.“ In Leipzig klappte es. Das war es dann erst einmal mit den Städten am Wasser. Als Mitglied des Schauspielstudios Leipzig stand sie in der „Dreigroschenoper“ auf der Bühne und im „Zwerg Nase“, sie spielte in Brechts „Baal“ und in „Die Schutzflehenden/Die Schutzbefohlenen“. Alles als Teil des Studiums.

Lüneburg ist ihre erstes Engagement, für eine halbe Spielzeit, nach heutigem Stand. „Es ist ein gutes Gefühl, mit seiner Arbeit Geld zu verdienen, das ist sehr befreiend. Aber auch sehr neu“, sagt Stefanie Schwab. Sie wird in „Cyrano“ zu sehen sein, im „Dschungelbuch“, zuerst aber in „Die Prinzessin und der Pjär“, ab Donnerstag, 22. September, 10 Uhr im T.3.

Das Zwei-Personen-Stück, geschrieben von Milena Baisch, wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem bei den Mülheimer Theatertagen. Thomas Ladwig, der in Lüneburg bereits „Der Tod und das Mädchen“ inszenierte, führt Regie bei dem Stück, das zwei Kinder am Ende der Grundschulzeit zeigt. Mit Stefanie Schwab steht als Pjär, was Pierre meint, Felix Breuel auf der Bühne. Stefanie Schwabs Lisasophie ist die Prinzessin, eine Musterschülerin, und natürlich spielt sie Geige. Pjär, der Bär, ist ein Loser. Jetzt hat er die Mathearbeit komplett vergeigt und will sie versenken, in der Mädchentoilette. Dort taucht Lisa auf, sie hat ihre Geige vergessen.

Sie steht ganz oben, er ganz unten

Dummerweise werden sie, die sich auf den Tod nicht leiden können, versehentlich eingeschlossen. Das kann ja heiter werden. Wird es auch, aber nicht nur. Denn was Leistungsdruck aus der Schule und von den Eltern bedeutet, darüber können sie beide ein Lied singen — sie von oben, er von unten. Druck ist Druck. Eigentlich muss noch übers Tanzen gesprochen werden. Was ist daraus geworden? „Attitüde weg, Muskeln verkümmert“, lacht Stefanie Schwab. „Es steht nicht gerade oben auf der Liste. Aber ich vermisse es schon.“ Hans-Martin Koch