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Hilal Sezgin auf ihrem Hof. Foto: ilona habben
Hilal Sezgin auf ihrem Hof. Foto: ilona habben

Neue Bücher aus dem Raum Lüneburg

Lüneburg. Rund 90000 neue Bücher erscheinen Jahr um Jahr in Deutschland. Alle suchen Leser. Längst sind neben die klassischen Verlage, bei denen Lektoren Programm und Qualität überprüfen, Unternehmen getreten, bei denen der Autor für den Druck seines Werks zahlt. Das Ergebnis muss nicht schlecht sein. Der Stapel von Büchern, die mehr oder minder etwas mit Lüneburg zu tun haben, wächst auch in der LZ-Redaktion. Hier eine Auswahl aus jüngerer Zeit in gebotenem Schnelldurchlauf.

Feminismus, Islam und Tierethik

Hilal Sezgin lebt im Landkreis Lüneburg, schreibt für Zeitungen von Zeit bis taz. Die studierte Philosophin publizierte viel über Feminismus und Islam, ist aber in jüngerer Zeit vor allem mit Texten und Büchern zu Fragen der Tierethik präsent. Ihr jüngstes Buch richtet sich an jugendliche Leser: „Wieso? Weshalb? Vegan!“ Der Untertitel fasst zusammen, was Sezgin in lockerem und dabei verbindlichem Tonfall meint: „Warum Tiere Rechte haben und Schnitzel schlecht für das Klima sind“. Hilal Sezgin ist eine Kämpferin, sie lebt das, was sie schreibt, und sie wird bei denen, die ihrem Text folgen, zumindest Denkprozesse auslösen. (S. Fischer Verlag, 302 Seiten, 12,99 Euro)

Romane für Erwachsene

Das Wohl des Gifkendorfer Merlin Verlags ist zu beachtlichem Teil mit Janosch verbunden, dem knurrigen König der Kinderliteratur. Das betrifft Theaterrechte wie Romane des Polen, der zurückgezogen auf Teneriffa lebt, in diesem Jahr 85 Jahre alt wurde und nach wie vor Woche für Woche im Magazin der Zeit Fragen des Lebens aufs Schrulligste bezeichnet und kommentiert. Merlins Geschenk zum Geburtstag ist die Wiederherausgabe von zwei fast vergessenen Janosch-Romanen in einem Band: „Schäbels Frau“ (1992) und „Sacharin im Salat“. Romane für Erwachsene mit heiter-trockenem Blick auf das Zusammenleben: „Schäbels Frau“ erzählt eine Dreiecksgeschichte und spiegelt männliche Identitäten. „Sacharin im Salat“ (1975) stellt Alex Borowski ins Zentrum, der über seine Probleme reden will, aber immer die Geschichten anderer anhören muss. (Merlin, 330 S., 22 Euro).

Lyrik aus der Mythenwelt

Nach kurzer Zeit hat Werner Faulstich erneut einen Band mit Lyrik herausgegeben. Faulstich, geboren 1946, ist Medienwissenschaftler. Er promovierte 1973 über Bestseller, übernahm 1989 den Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Lüneburg. Faulstich verweist im Vorwort zu „Spielräume zwischen Flucht und Umarmung“ darauf, dass Gedichte subjektiver sind als andere Literatur. Seine Gedichte greifen ins Mythenfach, beschrieben auch Herrn Müller aus der siebten Etage, die Worte sind mal mit Bedeutung aufgeladen, dann wieder auf Aphorismen verkürzt und gern sehr direkt. Für jeden etwas? (Deutscher Lyrik Verlag, 88 Seiten, 10.80 Euro)

Trubel und Abenteuer

Jesko Wilke, Jahrgang 1959, hat wieder einen Roman geschrieben: „Das Leben ist ein zotteliges Ungetüm“. Wilke lebte lange in einer Lüneburger Wohngemeinschaft, als Zivi, als Bräutigam, als Vater, als Kellner am Stint und manches mehr. Heute lebt er als Autor und freier Journalist in der Heide, mit Frau und Hund. Letzterer mischt ordentlich mit in der lockeren Sommerlektüre über den abgebrannten Türsteher Stefan, der samt Hund zu seiner Tochter zieht und bald aufgrund einer Verwechslung eine erstaunliche Karriere in der Werbebranche startet. Aber das ist nur der Anfang für Trubel und Abenteuer. (Dryas Verlag, 264 Seiten, 11 Euro) oc