Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Aladin feiert in Lüneburg Premiere
Manchmal kommt Aladin (in der Mitte: Phong Le Thanh) kaum aus dem Staunen heraus. Foto: t&w
Manchmal kommt Aladin (in der Mitte: Phong Le Thanh) kaum aus dem Staunen heraus. Foto: t&w

Aladin feiert in Lüneburg Premiere

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Die Aufgabe fordert: Jetzt müssen 1001 Geschichten in einer Stunde erzählt werden. Länger haben sie nicht, ihr Publikum ist jung und ungeduldig. Also rauf auf den Basar im fernen Orient, wo Aladin für sich und sein Äffchen was zu essen stiebitzt, wo ihm ein merkwürdiger Magier jede Menge Gold verspricht, wenn er ihm aus einer Höhle eine bestimmte Öllampe besorgt. Diese Lampe ist besonders, wie wir seit den Geschichten aus 1001 Nacht wissen, denn wer an ihr reibt, der weckt den Dschin, den Geist, der Wünsche wahr werden lässt. Und das ist natürlich längst nicht alles, was in „Aladin“ abgeht, dem ersten neuen Stück der Spielzeit am Theater Lüneburg.

Tükis und himmelblau, violett und schlangengiftgrün

Am Freitagmorgen hatte Olaf Schmidts Familienballett „Aladin“ Premiere. Bühnenbildnerin Barbara Bloch hat dafür den Eingang zu einem Palast links auf die Bühne des T.3 gesetzt, eine Höhle rechts, und zwischen beiden kann sogar ein Teppich auf Flugreise gehen. Die Pracht verdoppeln und verdreifachen die Kostüme von Claudia Möbius, sie schimmern türkis, violett, himmelblau und schlangengiftgrün, und nur der böse Magier trägt schwarz.

Bunt wie Bühne und Kostüme ist die Musik. Orientalische Klänge schlängeln sich ins Ohr, „Scheherazade“ fehlt nicht. Sogar Verdis „Otello“-Ballettmusik wird eingeschmuggelt, was passt, denn das Ballett findet in der Oper, die am Sonnabend Premiere hatte, keinen Platz. Es rappt und hiphopt auch mal, und weil Olaf Schmidt Spaß an Ironie hat, erklingen lauter „Wünsch dir was“-Schlager. Ein wilder Mix, aber was solls, er macht Spaß.

Das ganze Ballett ist so turbulent wie die Musik und die Geschichten, zu denen noch einige von großer Gefahr und noch größerer Liebe hinzukommen. Die Truppe wirbelt in allen Stilen über die Bühne. Allen voran Phong Le Thanh als Aladin mit Anibal dos Santos als chronisch hungrigem Äffchen. Das Artistische steht neben dem Poetischen, die ausgefeilte Gruppenszene neben denen, die nur Aladin und seiner Prinzessin (Júlia Cortés) gehören. Immer achtet Olaf Schmidt darauf, dass sich die Kerngeschichte klar abzeichnet.

Am Ende muss der Schurke weichen, die Guten werden siegen

Lauter Nebengeschichten sind dennoch zu beobachten. Aladin hat ein Herz für die Armen, zu denen er ja selbst gehört: Das Brot, das Gold, er gibt es weiter. Dass Gold nicht glücklich macht, das ist auch zu sehen. Oder die züngelnde Schlange (Giselle Poncet): Sie wird ihrem Chef, den Schurken von Magier (Wout Geers), nicht mehr lange dienen, da ist doch jemand anderes viel interessanter.

Es geht ein großes Glucksen durch den Saal, wenn Aladin und sein Äffchen einfach eine Spur schneller und frecher sind als ihre Verfolger. Aufregend ist es, wenn es zischt und Nebelschwaden steigen, aus denen der muskulöse Dschin (Wallace Jones) auftaucht. Am Ende muss der Schurke weichen, die Guten werden siegen. Die Guten in diesem Stück, das sind auch Francesc Fernández Marsal, Claudia Rietschel, Rhea Gubler und Gabriela Luque also das ganze Ballett.

„Aladin“ steht bis zum 13. Dezember auf dem Spielplan. Die Premierenbesucher klatschten und trommelten mit den Füßen donnernden Beifall.