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Noch proben sie: Paul Brusa (li.) spielt ab Freitag den Hamlet. Neben ihm (v.l.) Matthias Herrmann, Beate Weidenhammer, Philip Richert, Martin Skoda (dahinter) und Martin Andreas Greif. Foto: theater
Noch proben sie: Paul Brusa (li.) spielt ab Freitag den Hamlet. Neben ihm (v.l.) Matthias Herrmann, Beate Weidenhammer, Philip Richert, Martin Skoda (dahinter) und Martin Andreas Greif. Foto: theater

Malte Kreutzfeldt inszeniert am Theater Lüneburg Shakespeares „Hamlet“

Von Hans-Martin Koch
Lüneburg. Mit Shakespeare hat Malte Kreutzfeldt so seine Erfahrungen. Dem „Kaufmann in Venedig“ begegnete er in Coburg, den „Sturm“ erlebte er in Erlangen, „Viel Lärm um nichts“ widerfuhr ihm in Kiel, „Ein Sommernachtstraum“ lockte ihn nach Dessau und „Richard III.“ nach Chemnitz. Dann war da noch „Othello“, wo, weiß der Regisseur gerade nicht mehr. Wichtiger ist ja: „Man wird nicht müde von Shakespeare. Er hat die Welt, die menschlichen Abgründe beschrieben wie kein anderer, und er wusste, wie Theater funktioniert.“ Jetzt inszeniert Malte Kreutzfeldt „Hamlet“ in Lüneburg, und alle sind neu: Regisseur, Bühnenbildner, Dramaturgin, Kostümbildnerin, Hauptdarsteller. Sogar der Text.

„Ich bin ein Sprachfetischist“, sagt Keutzfeldt. Die Sprache, ihr Rhythmus, sie ändern sich, von Zeit zu Zeit brauche es eine Bearbeitung der alten Stoffe, sagt Kreutzfeldt. Er hat sich selbst an eine „Hamlet“-Fassung gesetzt und schon blättert er im Text, gibt Beispiele für den Rhythmus, für Vers-Schlüsse und wie er sie weiterzieht. „Theater muss immer eine Hochsprache sein und trotzdem authentisch“, sagt der Mann, der schnell denkt und schnell spricht, mit den Armen seine Gedanken einsammelt, auf den Punkt kommt und doch schon beim nächsten ist. Im Laptop zeigt er noch eine Passage, wie er eine Videosequenz ins Geschehen einarbeitet.

Die Zeitlosigkeit der alten Meister entdecken

Kreutzfeldt bezeichnet sich als „sehr autorentreu“, denn „es ist leichter, die alten Meister in ihrer Zeitlosigkeit zu entdecken als in neuen Texten das Archaische.“ Was nicht ausschließt, dass er Texte verändert. Kreutzfeldt, geboren 1969 in Lübeck, studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Er war Oberspielleiter des Schauspiels in Quedlinburg/Halberstadt. Seit 13 Jahren aber arbeitet er frei, fürs Schauspiel, auch für die Oper. Nürnberg, Mainz, Kiel — quer durch die Republik, von Shakespeare über Büchner bis „Black Rider“. Kreutzfeldt liebt zudem das Kino, über die Faszination Film drehte er eine DVD mit Daniel Brühl und Jana Pallaske.

„Hamlet“ ist für ihn mehr als eine Tragödie. „Es ist auch ein fantastischer Krimi, es kippt in die Groteske, es ist auch mal sehr lustig.“ Und doch Tragödie. Das Tempo, die Action, die Kreutzfeldt beim Denken und Sprechen vorlegt, sie werden auf der Bühne wohl zu spüren sein — allein 60 Stunden Training gab es für ein Gefecht! An den Pausen im Brausen feilt das Team noch.

Die Strichfassung, aus der die Inszenierung entsteht, hat Hilke Bultmann mit Kreutzfeldt erarbeitet. „Bei der Vorbereitung und bei den Proben sind wir immer wieder neu davon fasziniert, wie viel Unterschiedliches in Hamlet kombiniert ist“, sagt die neue Schauspiel-Dramaturgin. Paul Brusa, der Hauptdarsteller, ist ebenfalls neu, auch Kostümbildnerin Anke Wahnbaeck — und der neue Bühnenbildner, das ist Malte Kreutzfeldt selbst.

„Blut, Schweiß, Tränen, solche Sachen“

Alte Stoffe auf ihre Tauglichkeit prüfen, das ist selbstverständlich. Aber Kreutzfeldt betont: „Theater ist kein tagespolitisches Medium; wir würden immer zu spät kommen. Es geht um anderes, die menschlichen Abgründe, Blut, Schweiß, Tränen, solche Sachen.“ Das hat „Hamlet“ alles zu bieten. Die Premiere beginnt am Freitag, 23. September, um 20 Uhr. Es gibt Restkarten.