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Glaskünstlerin Simone Fezer lebt seit kurzer Zeit in Raven. Sie ist aus dem Schwarzwald hierher gezogen. Foto: t&w
Glaskünstlerin Simone Fezer lebt seit kurzer Zeit in Raven. Sie ist aus dem Schwarzwald hierher gezogen. Foto: t&w

Glaskünstlerin aus dem Schwarzwald

Von Hans-Martin Koch

Raven. Die Aufschrift ist nicht zu übersehen. Weiß auf scheunentorgrün: „kunst. glas simone fezer“. Nebenan, an der Straße, kann man Honig kaufen, Birnen aus Nachbars Garten und nett Gedrechseltes, Sterne, Hasen und Herzen. „Feuerholz in allen Variationen“ preist das Schild dahinter an, aber das hat alles nichts mit Simone Fezer zu tun. Ihr Reich, ihr Wirken und Werken beginnt hinter dem Scheunentor. Da ist Platz, liegt Material auf dem Boden. Hinten an der Wand lehnen und lagern zerlegt die Sachen, die Simone Fezer unverwechselbar machen; dazu auf einem Regal kleine Objekte. Seit wenigen Wochen lebt Simone Fezer mit ihrer Familie in Raven. Sie macht Glaskunst, aber der Begriff greift zu kurz.

Aufwendige Inszenierungen

Vertreten ist die 40-Jährige aktuell auf zahlreichen Ausstellungen: Bei „Keramik der Gegenwart“ im Schloss Ludwigsburg (29.9. bis 9.10.), mit einem Siebdruck im Schorndorfer Kunstkalender, außerdem bei der „Landesweit“-Ausstellung des Bundes Bildender Künstler (BBK) Württemberg (24.9. bis 20.11.). Die wichtigste Ausstellung aber läuft im Glasmuseum Immenhausen. Sie heißt „verwurzelt“ und zeigt, wie sich die Kunst Simone Fezers in viele Richtungen bewegt. Wie Wurzeln, auch wie Tentakel suchen sich verästelte Formen schlängelnd einen Weg, ausgehend von einem Organkörper, der an Herz und Lunge erinnern kann, oft aber auch an eine Art von Behausung. Glas steht für einen geistig-transzendenten Bezug, textiles Material für das Stofflich-Fleischliche. Sie kombiniert Materialien und Medien, nutzt Holz, Foto, Licht, Film, Klang zu aufwendigen Inszenierungen.

Den Betrachter mit allen Sinnen überwältigen

Dass sie mit Familie und noch ohne Pferde in den Norden gekommen ist, hat mit der Arbeit ihres Mannes zu tun. Aber die Frau aus Remshalden bei Villingen, also aus dem Schwarzwald, fühlt sich wohl in Raven: die Herzlichkeit der Menschen, die „herbe Frische“ der Luft.

Vor wenigen Wochen hat Simone Fezer den Preis der „Glasplastik und Garten“-Ausstellung in Munster gewonnen, nicht zum ersten Mal. Ihre Arbeiten fielen auf, stachen ab von vielen Beiträgen, die sich anschmeichelten. Simone Fezers Kunst hat nichts mit Design zu tun. Das lehnt sie nicht ab, es gibt auch kleine, sehr aufwendige Arbeiten in diese Richtung. Aber: „Ich bin nicht glatt und glänzend“, sagt sie. Was sie vielmehr interessiert, sind Prozesse, Übergänge, mehrdeutige Installationen, Raumgestaltungen. „Ich versuche, etwas in einer Art von Repräsentation zu erfassen, die nicht in Worten geschieht.“ Sie spricht von der Idee, die Betrachter mit allen Sinnen zu überwältigen. Sie denkt groß.

Studiert hat sie in den USA, an der Penland School of Arts and Crafts in North Carolina, am Chicago Art Institute und am Centro Studio Vetro im italienischen Murano. Ein Ort, den alle mit Glas verbinden. „Ich bin eine leidenschaftliche Glasmacherin“, sagt Simone Fezer. „Man muss im Moment voll da sein, es hat etwas Tänzerisches, etwas Fließendes, wie beim fokussierten Bogenschießen.“ Da sitzt eine weitere Leidenschaft. Sie ist Reiterbognerin. Das ist die Kunst des berittenen Bogenschießens. Simone Fezer ist da, so kann man lesen, auch als Kampfrichterin unterwegs.

Sie bezieht „Position“ in der Fabrik der Künste

Gefragt ist auch ihr Glaskunstwissen, etwa mit einem Lehrauftrag an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Die Wege sind nun weiter geworden für sie. Aber sie knüpft ein Netz im Norden. Beim BBK Hamburg stellt sie ihre „Position“ vom 9. bis 18. Dezember in der Fabrik der Künste vor. Etwas später (28. Januar bis 25. Februar) ist sie im Handwerksforum Hannover beteiligt, dort heißt es: „Bitte berühren!“