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Im Namen von Lisbeth: Manuel Schmiedel, Charlotte Greve, Marc Muellbauer und Moritz Baumgärtner in der Kreuzkirche. Foto: t&w
Im Namen von Lisbeth: Manuel Schmiedel, Charlotte Greve, Marc Muellbauer und Moritz Baumgärtner in der Kreuzkirche. Foto: t&w

Lisbeth-Quartett: Wanderer zwischen den Welten

Von Frank Füllgrabe

Lüneburg. Eigentlich wurde Charlotte Elisabeth Greve in Uelzen-Veerßen geboren, am 23. Januar 1988. Aber bei Künstlern, die sich anschicken, die Welt zu erobern, und damit den Ruf ihrer Heimatstadt mehren, ist die Versuchung groß, sie anderweitig zu vereinnahmen. Und so wurde „Lisbeth“, die junge Saxophonistin und Flötistin, bei ihrem Auftritt in der Kreuzkirche kurzerhand als Lüneburgerin vorgestellt. Die rund hundert Zuschauer erlebten das Konzert eines Jazz-Quartetts, das bereits einige Preise, unter anderem einen „Echo“, gewonnen hat und gerade erst dabei ist, sein Potenzial zu entfalten.

Hörspiele mit dem Schlagzeug

Im Jahre 2009 gründete Charlotte Greve mit dem Pianisten Manuel Schmiedel, dem Bassisten Marc Muellbauer und dem Schlagzeuger Moritz Baumgärtner in Berlin das Lisbeth-Quartett, es spielt heute noch in der gleichen Besetzung. Das ist — gerade für junge Ensembles — eine lange Zeit, als Hörer ahnt man den Grund: Die vier Musiker scheinen sich bestens zu verstehen, präsentieren sich als eine verblüffend kompakte, wie selbstverständlich harmonierende Einheit.

Charlotte Greve bildet als Namensgeberin und Komponistin den Dreh- und Angelpunkt der Band. Die Altsaxophonistin pflegt (im Schwerpunkt) einen warmen, melancholischen und lyrischen Sound — eine Geschichtenerzählerin, die sich aber immer als Mitglied der Gruppe begreift, auch mal den Platz am Mikro verlässt und den anderen die Bühne überlässt. Manuel Schmiedel und Marc Muellbauer erweisen sich als empathische Jazzmusiker mit einem großen Vokabular. Moritz Baumgärtner fasziniert als Schlagzeuger darüber hinaus mit einem verblüffenden Reichtum an Klängen — dauernd ist er dabei, seine Utensilien hier- und dorthin zu packen, es sind eigene kleine Hörspiele, die hier zuweilen entstehen.

Beim Komponieren auf ein Shirley McLaine-Plakat geschaut

Zusammen entwickelt das Quartett seine Storys wie ein Puzzle, das aus diversen Teilchen zusammengesetzt wird und schließlich zu einem facettenreichen Bild entsteht. Die Stücke heißen etwa „rubato“ und „Shirley“, da hatte Charlotte Greve beim Komponieren daheim immer auf ein Shirley-McLaine-Plakat geschaut. Die Dynamik ist sorgsam ausbalanciert, der Groove entwickelt sich wie nebenbei. Es gibt keine ausgeprägten Hooklines, kaum wiederkehrende Themen, an denen sich der Hörer orientieren kann. Aber es gibt dennoch eine spürbare Entwicklung, die aktuellen Stücke wirken noch differenzierter, raffinierter als die „alten“, es gibt noch mehr zu entdecken.

„With a unique concept of tone and composition, she is making a mark on both the Brooklyn and German jazz scenes.“ So beschreibt es Charlotte Greve auf ihrer eigenen Homepage, sie stellt sich hier als „New York-based alto saxophonist and composer“ vor. In Brooklyn gründete Greve außerdem ein zweites Ensembles, „Wood River“. Berlin und NY also, Lisbeth ist zur Wanderin zwischen der alten und der neuen Welt geworden. Das Konzert in der Kreuzkirche, von der Jazz-IG wegen des kostbaren Flügels ausgewählt, bildete nun den Auftakt einer Tournee mit elf Stationen.

Charlotte Greve berichtet übrigens von einem Jazz-Workshop, den sie gerade in „ihrem“ Gymnasium gegeben hat: Ihr Abi baute Lisbeth in der Wilhelm-Raabe-Schule — weshalb das mit der eingangs erwähnten Lüneburgerin sowieso völlig in Ordnung geht.