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Angela Hennessy stammt aus England und lebt heute in Hannover. Foto: ff
Angela Hennessy stammt aus England und lebt heute in Hannover. Foto: ff

Szenerie des Kleinkrams

Angela Hennessys Malerei-Ausstellung „The human condition“

Von Frank Füllgrabe

Lüneburg. Angela Hennessy kennt das schon zur Genüge: Ihre Gemälde wecken bei dem Betrachter den innigen Wunsch, heimlich mit dem Finger über die Oberfläche zu fahren, und an den Motiven herumzuknippeln. Aber es ist alles nur gemalt, auch wenn es täuschend echt aussieht. „Dabei ist es gar nicht meine Absicht, jemanden zu täuschen“, sagt Angela Hennessy. Unter dem Titel „The human condition“ stellt die aus England stammende, heute in Hannover lebende Künstlerin bei der Avacon aus.

Die Arbeiten folgen, und das seit vielen Jahren, einem konkreten Programm. Der Hintergrund ist meist ungegenständlich, deutet vielleicht einmal einen Himmel oder eine Landschaft an. Er bildet die Kulisse, die Bühne für die Inszenierung von kleinen Gegenständen Fundstücke, die Angela Hennessy bei Reisen in die USA, durch Mexico, Japan und werweißnochwo gesammelt hat: Federn und Blätter, Muscheln und Löffel, Pfeile und Pinsel, all dieser mitunter exotische (und damit kostbar) wirkende Kleinkram erscheint auf der stillen Fläche höchst dramatisch.

Das liegt an der extrem genauen Maltechnik, die in der Architektur Trompe-lil („Täusche das Auge“) genannt wird und ihre irritierende räumliche Wirkung unter anderem durch präzise gesetzte Schlagschatten gewinnt. Man könnte das auch Foto- oder Hyperrealismus nennen, wie auch immer: „Das Präzise und das Abstrakte, beides hat mich schon gereizt“, so Angela Hennessy, „ich bin von diesen Extremen fasziniert.“

Wichtiger sind der Malerin die Zusammenhänge der Objekte. Die Bilder haben Titel wie „Perfect Pair“, „Dancing in the Park“ und „Poet`s Corner“. Solche Namen helfen bei der Entschlüsselung der Szenarien, die dann manchmal wie kleine Geschichten wirken. Die Herkunft der Requisiten ist unwesentlich, sie haben oft Symbolfunktion. Die Theater-Anmutung wird unterstützt durch lose oder straff gespannte (und natürlich wiederum nur gemalte) Schnüre, die wie ein Vorhang das stille Geschehen einrahmen, und durch Bambusstäbe als grazile Säulen. Eines der Bilder heißt tatsächlich „Enter stage right: girl in a red dress“. Blumen, die ihre Köpfe hängen lassen, wirken wie stilles Publikum, es geht wohl immer auch um Befindlichkeiten, Seelenzustände, „The human condition“ eben.

Angela Hennessy, 1953 in Portsmouth geboren, studierte in Hannover und Braunschweig, lebte und arbeitete über viele Jahre als Malerin in Tokyo und Washington. Die Ausstellung in der Avacon, nach 2001 die zweite Hennessy-Präsentation, umfasst 90 Arbeiten vom Klein- bis zum Großformat (fast durchweg Öl auf Leinwand) und läuft bis 6. Januar.