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Torsten Sträter hat auch Spaß am eigenen Spaß. Foto: t&w
Torsten Sträter hat auch Spaß am eigenen Spaß. Foto: t&w

The Rechnung, por favor

Lüneburg. Er liebt ja schon die Pünktlichkeit, der Herr Sträter. Es ist 20 Uhr im Vamos, es ist rappelvoll, er hat die unvermeidliche Wollmütze überm Kopf glattgezogen, aber jetzt schlendert er doch erstmal vom Backstage-Raum in die Halle: „Dauert noch n bisschen Tresenschlange“. Fünf Minuten später aber geht es los, und der Comedian läuft sich warm: „Was für eine schöne Halle! Was mich zu der Frage bringt: Was ist das daneben? Piratenschiff auf Grund gelaufen? Costa Concordia?“ Die Halle lacht, Torsten Sträter grinst sich eins und kommt zum eigentlichen: „Hallo! Ich bin es selbst. Der Sträter“.

Ohne Fernsehen und ohne Dieter Nuhr wäre er einer von vielen. Nuhr holte den gelernten Herrenschneider aus Dortmund von den Poetry-Slam-Bühnen auf die Mattscheibe, und längst füllt der Sträter als Lästerkopp, Kumpeltyp und Lebensbespiegler die Säle zwischen Kiel und Koblenz. Sträter ist auch als Autor unterwegs, aber beim ruhigen Lesen funktioniert sein Tempo-Humor bei weitem nicht so gut. Der Mann muss auf die Bühne.

Dort spult er Szenen aus seinem Alltag ab, liest aus ihm konstruierte Geschichten, streut kalkuliert Spontanes ein und freut sich, wenn es zündet. Aus dem, was ihm daheim widerfährt in Waltrop, so eine Art Uelzen-Größe in Nordrhein-Westfalen, daraus baut er seine fröhlich eskalierenden Szenen. Das Diättagebuch, ein Sträter-Hit der vergangenen Jahre, hat allerdings ausgedient. Der 50-Jährige, der das Hemd lieber über der Hose trägt, war beim Arzt, denn er hatte „eines dienstags 27 Kilo zugenommen“. Den Rundum-Check schlachtet Sträter weidlich aus mit dem Ergebnis: Die Schilddrüse hat Schuld, und er frisst nun Tabletten.

Es geht in knapp drei Stunden quer durch den Gemüsegarten, vom Afrika-Reisetagebuch bis zum Leitfaden „Wie funktioniert Deutschland?“ Die Gags sind unterschiedlich gut, oft spießt Sträter Sprache auf, etwa das auf dem Land gesehene Schild „Hier Pferdeboxen“. Er fand ja schon Hundekämpfe schrecklich, aber das nun?!? Der trilinguale Urlauber „The Rechnung, por favor“ bekommt sein Fett weg, und das Deutschsein kulminiert für ihn in dem Satz „Räum auf, die Putzfrau kommt!“
40000 Kühlschrankmagneten für den Libeskind-Bau

Running Gags bilden einen roten Faden. Kommt Sträter scheinbar aus dem Konzept, sagt er: „Ich fang nochmal von vorn an, komplett.“ Als anderen Dauerläufer nutzt er den Libeskind-Bau, für den er 40000 Kühlschrank-Magneten empfiehlt. Am Ende bindet er die schönsten Absurditäten des Abends in der Geschichte seiner gerade nachgeholten Einschulung zusammen.

Sträter hat einen dichten Terminplan, aber meint mit Blick aufs Audimax: „Ich komm in zwei Wochen mit dem Akkuschrauber vorbei.“ Wenn es denn doch etwas länger wird, könnte es sein, dass er in eben jenem Audmiax steht. „Schöne Halle hier!“? oc