Donnerstag , 29. September 2016
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Kleider müssen alles aushalten

ff Lüneburg. Schöne Kleider zu schneidern, das ist die eine Sache. Sie für das Theater herzustellen, eine zweite. Muss eine Schauspielerin auf der Bühne rennen, kämpfen, turnen, oder nur zierlich herumsitzen? Womöglich steht sie im Regen, wie jetzt bei der Lüneburger Inszenierung von ,,Klaras Verhältnisse“? Das Licht der Scheinwerfer ist tückisch, es bleicht die Stoffe aus, macht sie brüchig, und die Schauspieler schwitzen. Die Kostüme sollen möglichst wenig kosten, dramatisch oder kostbar wirken und natürlich bis vorgestern fertig sein. Das alles muss Frauke Ollmann unter einen Hut bringen. Als Kostümbildnerin und Gewandmeisterin gehört sie seit vielen Jahren zu den Künstlern, die hinter dem Vorhang agieren.
Frauke Ollmann stammt aus Reinbek bei Hamburg. Der eigentlich kurze Weg nach Lüneburg führte, wie so oft in der Branche, über allerhand Umwege. Nach dem Abi wusste Ollmann nur eines: Nach so viel grauer Theorie wollte sie etwas Handwerkliches machen  eine Ausbildung zur Schneiderin kam da gerade recht. Eher zufällig wechselte sie innerhalb der Lehre von einer Maßschneiderei in die Werkstätten des Theaters Lübeck. Dort allerdings infizierte sich Frauke Ollmann mit dem Bühnen-Bazillus.
Zwei Jahre dauerte die anschließende Ausbildung zur Gewandmeisterin, das sind diejenigen, die für die Herstellung der Kleider zuständig sind  nicht unbedingt für den Entwurf, dafür sind Kostümbildner da. Erfahrungen sammelte Frauke Ollmann bei Oper und Ballett, Schauspiel und Musical, in Kassel und Frankfurt/Oder, in winzigen und in riesigen Theatern, bei den Hamburger Kammerspielen und bei dem ,,Phantom der Oper“. Diese Produktion mit ihrer üppigen Jahrhundertwende-Ausstattung und vergleichsweise großzügigem Budget war natürlich für die Gewandmeisterin ein Fest. ,,In den kleineren Häusern ist man dafür mehr in den künstlerischen Entstehungsprozess der Stücke eingebunden.“
In Lüneburg zum Beispiel. Frauke Ollmann arbeitete hier erstmals in der Saison 1996/97, blieb fünf Jahre, wechselte dann an die Staatsoper Stuttgarter  ,,Dort arbeiten an den Kostümen so viele Menschen wie hier im ganzen Haus!“  und kehrte schließlich nach Lüneburg zurück. Hier leitet sie heute als Kostümbildnerin zusammen mit Helena Wachauf die Damengewandmeisterei. Für die Männer gibt es eine eigene Abteilung.
Alltagsklamotten wie einen gewöhnlichen Trenchcoat oder einen Bademantel gibts im Fundus nebenan, normale T-Shirts werden auch mal einfach gekauft. Richtig spannend ist der Beruf beispielsweise bei avantgardistischen Inszenierungen oder bei historisch korrekten Ausstattungs-Stücken. ,,Ich recherchiere gern. Alte Gemälde sind die besten Dokumentationen“, sagt Frauke Ollmann, ,,da treibe ich mich viel in Museen herum.“
Umgekehrt wird die Kostümbildnerin hippelig, wenn sie grotesken Blödsinn sieht, etwa in den opulenten Hollywoodschinken, in denen oft eher der Geschmack des Publikums bedient wird, und die Kleider zuweilen Merkmale aus mehreren Jahrhunderten zeigen. ,,Fehler in Filmen springen mich an“, sagt Frauke Ollmann, die mittlerweile auch selbst an der Gewandmeister-Schule in Hamburg, der einzigen in Deutschland, unterrichtet. Nicht ganz so historisch streng wird das wohl bei der nächsten Premiere genommen, am Sonnabend, 2. März feiert Puccinis Japan-Oper ,,Madame Butterfly“ Premiere.