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Beethovens 10. Sinfonie

ff Winsen/Lüneburg. Ludwig van Beethoven hat neun Sinfonien geschrieben, die letzte — ,,Freude schöner Götterfunken“ — ist wohl die berühmteste. Kurz vor seinem Tod hat er noch an einer zehnten gearbeitet, Skizzen und Fragmente sind überliefert. Aber hat Beethoven sie vielleicht doch noch beenden können? Diese Vorstellung reizt Schriftsteller und Musiker immer wieder. Zu ihnen gehört Hinrich Rodatz, er arbeitet an ,,Beethovens Zehnter“, einem fünfsätzigen Werk von rund einer Stunde Dauer. Auszüge davon sind am Freitag, 8. März, um 19 Uhr im Studio des Lüneburger Theaters zu hören.
Eigentlich ist Hinrich Rodatz, Jahrgang 1940, Rechtsanwalt. Der gebürtige Berliner, Sohn einer Musikpädagogin, baute sein Abi an der Herderschule, spielte bereits als Schüler leidenschaftlich gern (und ausdauernd) Klavier, studierte aber dann doch lieber Jura. Das Musikstudium hat der in Winsen/Luhe lebende Rechtsanwalt mittlerweile nachgeholt, immerhin sieben Jahre lang besuchte er die Hamburger Hörsäle. Und seit langem pflegt er daheim am Piano seine alte Leidenschaft, die Komposition.
Lieder, Walzer, Märsche, Menuette, Sonaten — eine ansehnliche Werk-Reihe ist da entstanden, im Mittelpunkt stehen die großen Arbeiten, die Sinfonien. Als Instrumentarium wählte Rodatz, der vor allem die Wiener Klassik schätzt, eine historisch bewährte Zusammenstellung: Beethoven hatte seine Sinfonien für ein Orchester komponiert, das bereits Mozart und Haydn gefordert hatten: jeweils zwei Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner und Trompeten, dazu Pauke und die Streicherfamilie. Das wird heute als klassische Standardbesetzung bezeichnet, an die sich nun auch Hinrich Rodatz hält.
Aber wie sollen die Werke aufgeführt werden? Ein Orchester wäre kaum zu bezahlen. Computerprogramme helfen weiter, die Partituren zum Klingen zu bringen, zumindest die aufwändigen Programme liefern annehmbare Sounds. Und: Wo früher beim Transponieren, also beim Umschreiben der Noten in eine andere Tonart, mühsam jeder Ton hoch- oder heruntergerechnet werden musste, genügen heute ein paar Mausklicks.
Seit 15 Jahren trifft sich Hinrich Rodatz einmal die Woche mit dem Musiker Johann Holzer, um über den Noten zu brüten. Was in dieser Zeit entstanden ist, das will Hinrich Rodatz jetzt in einem Vortrag mit Musikbeispielen (per CD) vorstellen. Der Musiker Christoph Rolfes steuert am Piano live einige Passagen bei, Variationen über ein Klavierthema von Rodatz beispielsweise.
Bekannt geworden ist der britische Musikprofessor Barry Cooper, der Beethovens Skizzen zu einem ersten Satz ausgearbeitet und 1988 mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra uraufgeführt hatte. Im Lüneburger T.NT stellt Hinrich Rodatz nun seine eigene Sicht auf Beethoven zur Debatte – und hofft auf viele Besucher.