Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Außenwelten, Innenräume

ff Lüneburg. Daheim arbeitet Anja Struck als Malerin, unterwegs ist sie Jägerin und Sammlerin. Ideen und Motive gilt es einzufangen, zu sortieren und zu destillieren. So entstehen Themen, Geschichten — und Schauplätze. ,,Räume“ heißt die aktuelle Ausstellung im Heinrich-Heine-Haus, in der Anja Struck Werkgruppen und -zyk“len vorstellt. Dabei tauchen diese Räume in unterschiedlicher Form auf, nicht nur in konkreter Schilderung, sondern auch als Projektion und in nur flüchtiger Wahrnehmung.

Die Ausstellung ist in drei Bereiche geteilt: ,,Licht und Schatten“ zeigt vor allem Porträts, auf den Gesichtern auffällige Muster, die etwa durch Sonnenstrahlen entstanden sein mögen, die durch ein Sprossenfenster gedrungen sind oder gespiegelt wurden. Der Raum lässt sich hier nur erahnen.

,,Bewegung“, Thema Nummer zwei, besteht aus einem Zyklus von Tuschezeichnungen: Studien eines Tänzers in verschiedenen Posen (nicht nur auf der Bühne) und Kostümen. Der Raum rückt in den Hintergrund, die Person ist anonym, sie taucht in den Arbeiten zuweilen auch mehrfach auf, es geht um Phasen von Spannung und Entspannung, ihre Aufmerksamkeit richtet sich mal auf die Umgebung, ist aber meistens nach innen gekehrt — ein Wechselspiel zwischen Außen- und Innenraum.

,,Unterwegs“ zeigt Menschen in jener Unschärfe, die Gerhard Richter berühmt machte: Menschen unterwegs, auf dem Fahrrad, auf Reisen, im Flughafen oder auf einem Bahnsteig. Die Bilder wirken ein wenig wie verwackelte Schnappschüsse, und haben manchmal auch da“rin ihren Ursprung. Im Kontrast zu der Flüchtigkeit steht die Mal-Technik, die sorgfältige, aufwendige Ausgestaltung der Szenarien durch Ölfarbe, also die Beschäftigung mit dem Moment durch einen langen Arbeitsprozess.

Die Ausstellung öffnet morgen, Sonntag, um 11.30 Uhr, die Vernissage wird mit Literatur und Musik gestaltet: Der Schauspieler Heiner Junghans, liest Ausschnitte aus dem Buch „Verlangen nach Liebe“ von Hanns-Josef Ortheil, Alexander Eissele (Klarinette) und Hye-Yeon Kim (Klavier) spielen passende Musik. Die Lesung legt ihren Schwerpunkt auf das fiktive Entwickeln und Gestalten einer Ausstellung in einem Züricher Kunsthaus. Anja Struck stellt zwischen den Kapiteln einen inhaltlichen Bezug her zu ihren Arbeiten. Auch hier geht es um die Frage: Welcher Raum ist im Bild selbst zu sehen?

Die Ausstellung läuft bis 10. März, die Räume des Heine-Hauses sind jeweils sbd./so. von 11 bis 17 Uhr geöffnet.