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Traum und Wirklichkeit

sel Lüneburg. Mit „Nussknacker und Mäusekönig“ brachte der Erzähler E.T.A. Hoffmann 1816 ein „klassisches“ Märchen heraus, das die guten Seelen über die bösen Kräfte siegen, die Moral hochleben lässt und zum Dank einen fantastischen Traum erfüllt. So altmodisch und wirklichkeitsfern diese Erzählung heute ist — als Ballett funktioniert sie noch immer. Vor allem zur Weihnachtszeit wird der „Nussknacker“ alljährlich an den großen Weltbühnen inszeniert, besetzt mit den berühmtesten Tänzerinnen und Tänzern, choreographiert von klangvollen Namensträgern wie etwa John Neumeier, Chef des Hamburger Balletts.

Im Februar vergangenen Jahres verzauberten über hundert Ballettschüler der Lüneburger Ballettschule Wojtasik ihr Publikum — so sehr, dass es jetzt zwei Wiederholungen gab. Am Sonnabend-Abend und am Sonntag-Nachmittag nahmen die Nachwuchstalente von Christina und Artur Wojtasik ihr Publikum in der Aula der Rudolf-Steiner-Schule mit auf eine zauberhafte Zeitreise, in eine märchenhafte Phantasiewelt, in ein Land der getanzten Träume.

Mit Charme und Anmut, Dynamik, Präszision und Ausdrucksstärke und vor allem mit einer tänzerisch anspruchsvollen Leistung gelang es dem Ensemble mühelos, das Publikum in das Märchen um Klara und ihren Nussknacker zu entführen. Die jungen Tanzschüler überzeugten mit einem hohen Niveau und vor allem mit deutlich sichtbarer Tanzfreude und Lust am Schauspiel.

Jeder einzelnen tobenden Maus, jeder tanzenden Schneeflocke, jedem kämpfenden Soldaten und jeder schwebenden Märchenfee waren Motivation und Konzentration deutlich anzumerken, ein Eindruck, der durch die prächtigen Kostüme verstärkt wurde.

Die Geschichte des Nussknackers, komponiert von Peter Tschaikowski nach einer Version der Hoffmann-Erzählung von dem französischen Autor Alexandre Dumas, ist rasch erzählt. Das hölzerne Spielzeug, der Nussknacker, landet Weihnachten auf Klaras Gabentisch, die sich riesig darüber freut. Energisch verteidigt sie ihre Lieblingsgabe gegen die Jungen, die ihn ihr wegnehmen wollen. In der Nacht träumt Klara, dass ihr Nussknacker gegen den Mäusekönig kämpfen muss. Sie hilft ihm, Traum und Wirklichkeit verwischen immer mehr, und als Dank nimmt der Nussknacker, mittlerweile in einen Prinzen verwandelt, sie mit in das Königreich der Süßigkeiten, wo die Zuckerfee ein großes Fest für sie gibt.

Die Rolle des Prinzen hat Tänzer Matthew Sly vom Ballett des Lüneburger Theaters übernommen. Die weiteren Hauptrollen in der Kinderversion des Ballettklassikers: Fabian von Lindern tanzt kraftvoll und anmutig den Nussknacker und Fritz, Clara Noa Rabeler fasziniert als leichtfüßige, geschmeidige Klara; Gleiches gilt für Alicia von Lindern als Schneekönigin (und als Prinzessin im 2. Akt) und Linda Voß als Lisa (und als Prinzessin). Großartig interpretieren Jule Spangenberg (die auch die Zuckerfee tanzt) bzw. Annabell Gernerth die Puppe, Annabell zeigt auch als Kleines Flöckchen ihr großes Talent. Und Dominik Wojtasik überzeugt sportlich-akrobatisch als skrupelloser Mäusekönig.