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Kurven auf dem Weg nach oben

oc Lüneburg. Der gerade Weg zur Karriere führt über viele Stationen und Kurven. Kristin Darragh meistert den Weg, bis jetzt, mustergültig. Mit 15 Jahren beschloss die junge Frau aus Neuseeland, mit ihrer dunkel gefärbten Stimme nicht auf den Jazz zu setzen, sondern die Opernwelt zu erobern. Stationen der noch jungen Karriere sind bisher Auckland, London, New York, Berlin, und nun singt sie im kleinen Lüneburg  am Sonnabend, 2. März, die Suzuki in Puccinis „Madame Butterfly“. Das Theater Lüneburg ist ein wenig dabei, wie in seinen frühen Jahren zu einer Art Sprungbrett für große Talente zu werden. Denn Kristin Darragh ist so eines, das ist seit dieser Spielzeit zu hören und auch noch in der nächsten.
Ihre Stationen im Schnelldurchlauf: In Auckland studierte sie und sang mit 23 Jahren schon an der New Zealand Opera. Sie wechselte an die Royal Academy of Music in London, baute zusätzlich einen Bachelor in Englischer Literatur  man weiß ja nie, wofür es gut sein könnte. Dann nutzte sie die Chance, in Neuseeland über ein „Young Artist Program“ gute Rollen singen zu können. Ihre „Traumlehrerin“ aber fand sie in New York: Patricia McCaffrey, sie ist „one of the top!“, sagt Kristin Darragh. „Patricia hat mir gesagt: Du musst nach Deutschland gehen, drei, vier, fünf Jahre, die Sprache lernen, große Partien singen, für einige Zeit ein festes Engagement annehmen. Das war bis dahin nie meine Idee gewesen“, sagt die Sängerin, die nun in der Kantine des Theaters Lüneburg sitzt. Also flog sie nach Berlin, nahm Kontakte auf und sang schließlich in Lüneburg vor. Treffer!
Die Olga in „Eugen Onegin“ hat sie hier gesungen, den Orlofsky in der „Fledermaus“, jetzt die Suzuki. „Das sind drei gute, wichtige Rollen für mich. Ich glaube, ich werde diese Partien oft singen“, sagt die Mezzosopranistin. Sie lebt die Figuren, die sie verkörpert, „Ich brauche die Bedeutung, den Text“, sagt sie. Es sei tief berührend, die Suzuki in der Puccini-Oper zu singen, also die Frau, die an der Seite der Titelfigur steht.
Die Titelpartie singt Sonja Gornik, und die macht nach dieser Spielzeit den nächsten Schritt ihrer Karriere. Sie wechselt an ein größeres Haus, ans Landestheater Linz. Wie wichtig ein breites Repertoire ist, zeigt sich bei Sonja Gornik: Sie sprang im vergangenen Jahr am Gran Teatre del Liceu Barcelona ein, gefiel und wird in diesem Jahr in Barcelona die Freia in Wagners „Rheingold“ singen.
Auch Kristin Darragh hat, wenn die „Butterfly“ abgespielt ist, viel vor. Sie wird in die Heimat fliegen, Galas singen. Dann zieht es sie nach Oslo, dort gibt ihre New Yorker Lehrerin einen Sommerkurs. Na ja, und dann ist da noch der „boyfriend“, ein Sänger natürlich, ein Mexikaner, der in Bremen lebt. „Aber da ist er nie.“ Kristin Darragh wird ihn zum Beispiel in Kopenhagen treffen, wo er ein Engagement hat. „Wir haben einen Plan für die nächsten sechs Monate, wann wir uns wo treffen“. Der gerade Weg zur Liebe führt eben oft auch über viele Stationen.