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Kunst, Küche, Kind und Kirche

ff Lüneburg. Europa ist klein, jedenfall von Kanada aus gesehen. Und so beschloss Matthew Sly, 1979 in dem Dorf Sooke nahe Victoria geboren, ein Engagement als Balletttänzer in Toronto abzulehnen und lieber nach Estland zu gehen. Von hier aus, so lautete der Plan, wollte er die Kunsttempel der Alten Welt erobern. Aber die Wege waren dann doch etwas weiter. Heute tanzt Matthew Sly am Lüneburger Theater und findet es eigentlich völlig okay, wie alles seither gelaufen ist.

Seit der Spielzeit 2005/2006 gehört er dem Ballettensemble an, damit ist er mittlerweile der älteste Hase. In unzähligen großen und kleinen Rollen war Matthew Sly zu erleben, er tanzte große klassische Partien, etwa im „Nussknacker“ und im „Sommernachtstraum“, dazu in den experimentellen, modernen Choreographien, die im T.NT und jetzt auch im T.3 gezeigt werden.

Da stellt sich natürlich die Frage nach seiner schönsten Rolle: „Das war eine Choreographie von Roland Petit, ‚Ein junger Mann und der Tod‘, zusammen mit Yarika von der Osten, zur Passacaglia C-Dur von Bach. Das haben wir an unserem Abschiedsabend für Jan Aust getanzt. Der Auftritt war also gar nicht öffentlich zu sehen.“

Und die Anfänge? „Die erste Schule überhaupt, die ich als Kind besucht habe, war eine Ballettschule“, erzählt Matthew Sly, „da war ich 13 Jahre alt. Meine Eltern waren Post-Hippies“ — herkömmlichen Schulunterricht hielten Vater und Mutter Sly einfach für überbewertet. Nach der Fachhochschulreife, die Matthew Sly trotzdem erreichte, jobbte er ein Weilchen, erwog eine Karriere als Koch und entschied sich dann für das Ballett und für Europa (siehe oben), wo er nach einigen Umwegen schließlich in Lüneburg landete.

„Die körperliche Herausforderung des Balletts hat mich immer fasziniert“, so Sly. Anders gesagt: Der Job ist knochenhart, Tänzer können nicht ewig tanzen, und sie können auch nicht alle hinterher eine Ballettschule aufmachen. Matthew Sly erwägt, sich eines Tages im Büro seiner Verlobten, einer Landschafts-Architektin, nützlich zu machen.

Gern würde er Mathematik studieren, diese abstrakte Wissenschaft hat ihn schon immer fasziniert. Mit Computern, mit Programmiersprachen kennt sich Matthew Sly aus, da wird sich schon etwas ergeben. Dass Theaterleute nur an sich selbst und an ihre Kunst denken — dieses (nicht immer unzutreffende) Klischee mag er nicht bedienen: „Die meisten meiner Kollegen wissen ziemlich genau, was sie nach ihrer Ballett-Karriere machen wollen.“

Vor Jahren wollte die Landeszeitung Matthew Sly in der Rubrik „Ihren Führerschein bitte!“ vorstellen — doch da hatte er noch keinen. Inzwischen aber ist Tochter Elisabeth geboren, und da hat der Papa dann doch lieber einen „Lappen“ erworben. Zur Entspannung singt Matthew Sly in der Michaelis-Kantorei, oder er treibt sich daheim in der Küche herum. Was er Gästen vorsetzen würde? „Auf jeden Fall eine Creme brulée zum Abschluss. Als Hauptgericht vielleicht eine Lasagne, mit selbstgemachten Nudeln, und einen Salat. Aber ich mag auch asiatische Gerichte.“