Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Von Popolski zu Kowalski
3161752.jpg

Von Popolski zu Kowalski

Es gibt Konzerte, bei denen steht die Verlässlichkeit im Zentrum. Bei AC/DC zum Beispiel ist der Programmablauf klar wie Kloßbrühe. Und wer zu Der Familie Popolski geht, der weiß: „Da geht der Post ab durch der Decke“, da wird alle 20 Minuten eine „Wudka-Pause“ eingelegt, da wird die Geschichte von Opa Popolski aufgewärmt, der 128 000 Top-Ten-Hits geschrieben hat, die ihm dann geklaut wurden. Die Popolski-Enkel samt „der heißeste Dorota“ und Janusz, „der trubste Tasse von der ganze Familie“, kamen erneut ins diesmal ausverkaufte Vamos, um all die gestohlenen Hits wieder als Familiensache zu deklarieren. Das ist schräg, macht Spaß und läuft eben so ab, dass Insider wissen, was kommt, und da freut sich „der Publikum“.

Gecovert werden große Poeten der deutschen Sangeskunst: Heintje („Mama“), der unglaubliche Franz Beckenbauer („Gute Freunde kann niemand trennen“) und natürlich Dieter Bohlen („Cherry Cherry Lady“), denn der Bohlen hat ja in Polen alle seine Hits gestohlen. . . Von der Schießbude aus, die bei den Popolskis vorn steht, führt Familienoberhaupt Pavel alias Achim Hagemann durchs Programm, das als Comedy zunächst im WDR-Spätprogramm lief und nun auf immer größeren Bühnen bestens funktioniert. „Ach du meiner Gute“, schmunzelt Pavel Popolski, der kein „die“ oder „das“ kennt und mit den Umlauten geizt.

Hagemann schreibt auch die Arrangements, die noch dem grauenhaftesten Schlager Leben eintreiben, und die Band wird im Laufe des Abends immer besser. Allein was die beiden als Henjek und Stenjek titulierten Bläser beifügen, hat schon Klasse. Der Familie Popolski ist schon ein Rock-Comedy-Klassiker und sehr verlässlich.

Als Janusz Popolski zur Zugabe „Cherry Cherry Lady“ in Punk überträgt, ist im Salon Hansen gerade Halbzeit. LowMax geht von der Bühne, und Bandleader Joscha Blachnitzky ist ganz beseelt von dem Auftritt, den er gerade mit Freunden absolviert hat.

Der Umbau ist kurz, und dann übernimmt eine Band namens Yalta Club. Sie kommt aus Paris, sie singen englisch, und mit zur Band zählt Corinna Krome, aufgewachsen in Lüneburg. Yalta Club spielt eine Musik, die in die Indie-Rock-Schublade passt, aber irgendwie auch nicht, denn da schrabbelt die Ukulele Folkiges, wird ausgefeilter Harmoniegesang gepflegt, treiben Ska und Reggae vorwärts, mischt sich eine Trompete ein und vieles mehr. Die Band ist höllisch in Bewegung und das Publikum schnell auch. Die Musik ist intelligent, die Songs sind ungeheuer dicht gewebt. Yalta Club schöpft für eine eigenständige Musik aus vielen Quellen, sodass die Sache mit der Globalisierung einem richtig sympathisch werden kann.

Einen Abend drauf sitzen im Café Klatsch zwei Herren der Vätergeneration: Alex Conti (61), Berufmusiker seit 1969 mit Atlantis, Lake, der Hamburg Blues Band…, und Paul Botter (62), der mit Conti schon damals bei Elephant „I Don’t Wanna Lose You“ sang. Conti trägt eine Basecap, Botter eine Strickmütze, darunter sind sie ergraut, und das ist auch Botters Stimme. Aber der Spaß ist noch da. Botter spielt außerdem eine manierliche Rhythmusgitarre, über die Conti sein nach wie vor brillantes, farbenreiches und nicht auf Tempoblufferei angelegtes Gitarrenspiel legt. Alex Conti gehört eben zu den Besten seines Fachs im Norden. Das, was die beiden Herren da machen, klingt alles sehr entspannt. Sie spielen im Klatsch Blues, was sonst. Klassiker sind dabei und Stücke für Insider. Das geht bis „After Midnight“ – na ja, etwas früher hören die Jungs auf.

Nach Mitternacht brummen in der Hasenburg die Verstärker noch. Der 1000-Konzerte-Mann Ulli Schröder macht sich als Café-Klatsch-Chef an diesem Abend ja selbst Konkurrenz. Denn in der Hasenburg wird wieder für den LSK gerockt, und die Initiative „Meine Stadt. Mein Verein. Meine Musik“ ist eben auch aus Schröders Herzen geboren. Vier Bands teilen sich den Abend in der Hasenburg: Efi, Merchants IV, Unumgänglich und zum Schluss Lehmann Kowalski. Etwas mehr Leute hätten wohl kommen dürfen, aber wer dicke Bretter bohrt, braucht eben Geduld.

Die Pro-LSK-Rocker haben dafür ihr bisher größtes Ding eingetütet: Am 1. Juni wird es in Wilschenbruch (bis 22 Uhr) ein Open-Air geben. Mit dabei sein werden die 1st Class Session mit Jenniffer Kae, Brigitte Lorenz und Isabell Schmidt. Außerdem kommt Bluesröhre Jessy Martens, die auch schon das Klatsch gerockt hat. Die Sängerin hat 2012 den Deutschen Rockpreis und den German Blues Award gewonnen und ist schlichtweg für alle, die den Blues gern rockig mögen, so etwas wie ein Naturereignis.