Aktuell
Home | Kultur Lokal | Sonnenstrahlen und Stahlkanten
3169268.jpg

Sonnenstrahlen und Stahlkanten

ff Lüneburg. Hier die Malerin, die hauchzarte, lichtdurchflutete Farbwelten auf Leinwand fixiert. Dort der Metallbildhauer, der düsteren Stahl zu Skulpturen zwingt: Mirjam Essen und Michael Hitschold stellen gemeinsam bis 31. Mai unter dem Titel „VerWandlungen“ in der e.on Avacon aus, und eigentlich können ihre Unterschiede nicht größer sein. Doch Gegensätze ziehen sich eben an, und in diesem Spannungsfeld sind auch die Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Das jeweils gewählte Ausgangsmaterial verlangt sorgsame Ausführung. Mirjam Essen setzt bis zu 80 Schichten übereinander. Tempera wird, ganz nach Art alter Meister, mit Ei, Leinöl und Dammerfirnis angemischt, die Farben dann aus dem Farbpigment und dem Bindemittel direkt vor dem Malen angerührt und mit Wasser vermalt – eine empfindliche Prozedur. Mirjam Essen gibt ihren Gemälden oft konkrete Titel: „Karavane“ und „Herbstlandschaft“ etwa. Doch geht es eher um Reflexion als um Illustration, um Szenarien, die in mythische Ferne gerückt sind, um Geschichten, um den Lauf der Welten, und immer wieder: um die Kraft der Sonne.

Ganz anders die kühlen Stahl-Skulpturen von Michael Hitschold: Sie haben meistens nur Titel, die eine formale Zuordnung („Kreissegment, geschweißt“) zulassen. Die Arbeiten zeigen organische und architektonische Formen. Vierkanten-Strukturen verweisen auf die industrielle Herkunft des Materials, weiche Rundungen zaubern Poesie in die Gebilde, die mit ihren Dehnungen und Brüchen oft wirken, als seien sie von inneren, widerstreitenden Kräften geformt.

Mirjam Essen, 1962 in Schleswig geboren, studierte Philosophie und Religionswissenschaft, außerdem Freie Malerei. Sie arbeitet seit 2001 in einem Wohnatelier im Schloß Stellenfleth in Freiburg/Elbe. Michael Hitschold wurde 1970 in Chemnitz geboren. Nach seiner Ausbildung im Bereich Metall-Gestaltung in Dresden und Berlin, mit Zeiten an der Akademie der Künste in Berlin folgten Studienreisen nach Italien, Spanien, Südafrika, Namibia und Nord- und Süd-Amerika. Er arbeitet im eigenen Schmiedeatelier in Neuekrug nahe Salzwedel, war lange im Bereich Metall-Gestaltung in Dresden, Kapstadt, Berlin und Los Angeles beschäftigt. Nach der Vernissage zeigte er in Lüneburg ein weiteres Talent – als Singer/Songwriter in einem Irish Pub.