Dienstag , 27. September 2016
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Winzlinge mit großem Charme

ff Lüneburg. Es fällt auf den ersten Blick schwer, das Instrument ernst zu nehmen: Die Ukulele sieht aus wie eine Kindergitarre. Doch der Winzling mit den vier kurzen Saiten hat sich seinen Platz im Konzertbetrieb erobert. Das liegt an ukulelespielenden Sängern wie etwa Götz Alsmann und — mehr noch — an Israel Kamakawiwo’ole, der es mit „Over The Rainbow“ posthum auf Platz eins der deutschen Charts schaffte. Vor allem aber liegt das wohl am United Kingdom Ukulele Orchestra.

Im Vamos präsentierte die leicht skurrile Truppe ein Konzert von Khatchaturians „Säbeltanz“ bis zu dem Disco-Kracher „Staying Alive“. Seit Jahren touren zwei Damen und sechs Herren (plus Auswechselspieler für den Notfall) durch Europa, um zu singen, Ukulele zu spielen — und um Spaß zu haben. Gegründet wurde das Zupf-Orchester von dem BBC-Komponisten und -Dirigenten Peter Moss. Der war vorher mit der „Rocky Horror Show“ unterwegs und stand der Komikertruppe Monty Pythons nahe. Kein Wunder also, dass viel britischer Humor im Spiel ist. Man könnte auch sagen: Nonsense.

Dieser Flachwitz dient durchaus dem Programm. Plötzlich steckt bei einem der Musiker ein Pfeil in der Baskenmütze: „Ich hatte einen Unfall mit einem Apfel“ — es folgt natürlich die „Wilhelm Tell“-Ouvertüre von Rossini. In solchen Klassikern erweisen sich die Musiker als präzise Techniker. Denn die Intonation der Ukulelenfamilie ist heikel, acht Zupfinstrumente können ein grandioses Durcheinander produzieren. Doch selbst Chick Coreas diffiziles „Spain“ swingt und groovt.

Die meisten Stücke aber leben vom Gesang, solo wie tutti. Das Repertoire reicht von David Bowie bis — „schubidu“ — zum Orang-Utan-Song aus dem Dschungelbuch, von „Good Vibrations“ und „Mamma Mia“ über „We Will Rock You“ bis zu „The Model“ (Kraftwerk) und „The Chain“ (Fleetwood Mac). In einem wunderbaren Medley zeigte das Oktett, wie viele Popsongs man mit drei Akkorden begleiten kann, die immer in der gleichen Reihenfolge gespielt werden: naja, eigentlich fast alle.

Eine sehr schräge Version von „Heidi“ (mit Jodel-Solo) kam auch in der norddeutschen Tiefebene gut an. Weniger gut kamen wohl die Eintrittspreise an — die Zuschauermenge war jedenfalls recht übersichtlich. Etwas günstiger wird es in Bad Bevensen, dort gastieren die acht Briten am Sonntag, 5. Mai, um 19.30 Uhr im Kurhaus.

Diejenigen, die trotzdem ins Vamos kamen, erlebten einen geschickt durchchoreographierten Abend mit viel Charme, witzigen Einfällen, schönen Stimmen und originellen Song-Interpretationen. Was klingt besser als eine Ukulele? Zwei Ukulelen. Und was ist achtmal so gut wie eine? Das United Kingdom Ukulele Orchestra. Das sah das Publikum genauso.