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Am Anfang war die Tonika

ff Lüneburg. Es beginnt ganz einfach, drei Töne nur: B, F und A. Lukas Fröhlich singt sie vor, macht ein kleine jazzige Melodie daraus. Jetzt müssen die rund 60 Schüler/innen ran, Chor und Instrumentalisten des Johanneums sind konzentriert bei der Sache. Ein zweites Motiv kommt dazu, dann wird es durch die verschiedenen Tonarten getragen: erst die Tonika, dann Subdominante, Dominante, und wieder der Grundakkord, die Tonika. Jetzt wird es doch ziemlich schnell ziemlich anspruchsvoll, aber die Zeit ist kostbar, in wenigen Stunden soll das Ganze ausgeführt werden. Lukas Fröhlich ist der Kopf des Berliner Sextetts Lucasonic. Es spielte jetzt in der Aula des Gymnasiums, vorab zeigten Chor und Band des „Jojo“, was sie am Nachmittag gelernt hatten.

Nachmittags Schüler-Workshop, abends Konzert — nach diesem Motto sind Bands wie die A-cappella-Truppe Maybebop oder eben Lucasonic auf Tournee, um Jugendarbeit und Werbung in eigener Sache zu betreiben, eine Win-Win-Win-Situation für Musiker, Lehrer und Schüler. Chorleiterin Eva Pankoke und Bandleader Dr. Marco Rosso verfolgen gespannt, wie Lukas Fröhlich die Jungs und Mädchen der siebten bis zwölften Klasse sichtlich routiniert zu einer Einheit formt. Fröhlich, Schauspieler, Sänger und Trompeter, Komponist und Arrangeur, ist unter anderem Dozent bei den von der Jazz IG veranstalteten Lüneburger Jazzworkshops.

Weiß jemand, was ein Blues ist? Na klar. Das soeben Gelernte wird in die berühmte zwölftaktige Form gegossen. Es muss grooven, dazu gehört die Betonung der schwachen Zählzeiten, und der Bassist soll einen Vierviertel-Walkingbass spielen, schön solide auf den Punkt, damit nicht das ganze Ensemble explosionsartig auseinanderfliegt. Zwei Lieder werden noch mit Chor und Band einstudiert: „Rock me Amadeus“ von Falco und „Ich liebe diese Tage“ von Revolverheld-Gitarrist Kris(toffer Hünecke). Die Songs werden wohl auch bei dem Jojo-Sommerkonzert am 30./31. Mai zu Ehren kommen.

Lucasonic, das ist Funk und Hiphop, Mainstream und auch mal osteuropäische Folklore. „Gib mir den Rest“ heißt die aktuelle Tournee, in der Lukas Fröhlich, Lars Dieterich (Gesang, Saxophon), Phil Sindy (Gesang, Trompete), Martin Hornung (Keyboards), Thomy Jordi (Bass) und Matthias Hornung (Drums) alles auf die Bühne bringen, was den Jazz vorantreibt, Spaß und Energie erzeugt.

Die Hymne des Lüneburger Abends aber geht anders, Lukas Fröhlich brauchte — und bekam – für den Workshop-Blues dreimal fünf Silben: „Heute wird frohlockt/ Leute sind geschockt/ Johanneum rockt.“ Auch schön.