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Von Mittelalter bis Moderne

ff Lüneburg. „Die Altstadt von Lüneburg gehört zu den wenigen Stadtkernen, die von Zerstörungen durch Kriege und wirtschaftliche Entwicklung weitgehend verschont geblieben sind.“ So ein Schatz muss natürlich bewahrt werden, was nicht ausschließt, dass neue Häuser entstehen und Baulücken geschlossen werden. Einen Überblick über die Architektur der letzten 50 Jahre gewährt die – noch bis 28. April laufende – Ausstellung „Neues Bauen in Lüneburg“ im Scharffschen Haus an der Heiligengeiststraße.

Sie zeigt, wie in den Neubaugebieten mitunter kühne Ideen umgesetzt wurden. Und sie zeigt, wie anspruchsvoll – und manchmal heikel – neues Bauen in der Altstadt sein kann. Der eingangs zitierte Satz stammt aus der „Örtlichen Bauvorschrift der Stadt Lüneburg über die Gestaltung der Altstadt Lüneburg“ aus dem Jahre 1978. Die Satzung beendete Wildwuchs, sie verbietet einiges, was vorher zeitweise als schick und innovativ galt, aber die Geschlossenheit des historischen Stadtbildes stört: „Große Fenster beispielsweise, die ineinander überzugehen scheinen und so eine möglichst große Glasfront bildeten“, so die Ingenieurin Cornelia Abheiden, zuständig für die Lüneburger Baudenkmalpflege. „Auch die Skelettbauweise mit Stahlbeton, mit der die Konstruktion eines Hauses nach außen hin dokumentiert wird, ist seither nicht mehr erlaubt.“

Stattdessen sind – etwas verkürzt gesagt – Fassaden gefordert, die sich ihren Nachbarn anpassen, kleinteilige (Sprossen-)Fenster und Dächer aus roten oder rotbraunen Hohlpfannen. Erd- und Obergeschosse müssen optisch ihren Zusammenhang behalten. Auch das steht im Gegensatz zu einer modernen Sichtweise der Architekten, dass sich die Zwecke und Nutzungen eines Gebäudes, also etwa Wohnungen, Arbeitsbereiche und Treffpunkte, in der äußeren Gestaltung spiegeln sollten. „Form follows function“ – also: „Die Form richtet sich nach der Funktion“ – ist ein Leitsatz für zeitgenössisches Design und Architektur. Die berühmten drei F stammen allerdings nicht aus dem 20. Jahrhundert, sondern wurden bereits 1852 von dem amerikanischen Bildhauer Horatio Greenough formuliert.

Gewahrt bleiben muss laut Satzung auch die mittelalterlich kleinteilige Grundstücks-Struktur. Wenn ein Bauherr einen Neubau auf mehreren angrenzenden, meist recht schmalen Altgrundstücken errichten will, muss zumindest die sichtbare Fassade diese Mehrteiligkeit erkennbar machen. Das bedeutet nicht unbedingt Einheitslook: Lüneburgs Altstadt ist schließlich geprägt vom engen Nebeneinander von Stilelementen aus Gotik, Renaissance, Barock, Klassizismus und Historismus.