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Den stillen Hafen finden

ff Lüneburg. Brigitte Kranich erhält in der kommenden Woche den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis der Stadt Lüneburg. Im Juli wird die Künstlerin 80 Jahre, und nun stellt Brigitte Kranich im Heinrich-Heine-Haus aus, eine umfangreiche Präsentation mit mehr als 50 Exponaten. Künftig will es die Toppenstedterin ruhiger angehen lassen, zum Bilderschleppen jedenfalls hat sie keine Lust mehr – „den stillen Hafen finden“ heißt es in einem ihrer lyrischen Texte, mit denen Brigitte Kranich ihre Bilder begleitet. Also eine Retrospektive, die große Rückschau? Wohl kaum. Denn die Arbeiten sind nur wenige Jahre alt, Ankunft und Aufbruch liegen bei Brigitte Kranich dicht beieinander.

Zwei aufwendige Techniken bestimmen ihre Arbeit, daran hat sich nichts geändert. Erstens: eine Kombination von Federzeichnung und Acrylmalerei. Zweitens: Öl-Linoldruck auf Japanpapier, ein Verfahren, das Brigitte Kranich selbst entwickelte. Nur wenige Exemplare lassen sich jeweils damit drucken, aber die Leuchtkraft der Ölfarbe auch bei alten Exemplaren ist ungebrochen. Und sie ist robust – „wie Leder“, sagt Brigitte Kranich. Vorgestellt wird auf der Ausstellung ihr selbst gestaltetes und hergestelltes Künstlerbuch „Fahr, Lebensboot, mit den Traumbildern meiner Seele“, eingebunden in ein Öldruck-Cover.

Bibelszenen und Märchen haben jahrzehntelang die Arbeit der 1933 in Bublitz/Pommern geborenen Autodidaktin bestimmt, doch das war einmal. Mensch und Tier, Architektur, Landschaften — symbolhaft aufgeladene Welten, wiederholt taucht das Lebensboot als Metapher auf. Geblieben ist die Lust am Fabulieren. Es sind reale und geträumte Welten; Rousseau und Chagall, Miro, Max Ernst und Hans Arp, aber auch Malevitch dienen ihr zur Orientierung. Die Öldrucke strahlen vor allem Ruhe aus, die Federzeichnungen sind geprägt von einem haarfeinen Liniennetz, mit denen die Motive eingefangen und auch ineinander verwoben werden. „An einem großen Bild arbeite ich zwei bis drei Monate“, sagt Brigitte Kranich.

Dennoch hat sie über die Jahrzehnte ein kaum überschaubares Werk geschaffen. Was nicht verkauft wird, das verschenkt die Künstlerin zuweilen. „Ich bin nun alt genug, mich von den Werken zu trennen“, sagte Brigitte Kranich einmal, „und meine Tochter hat schon genug Bilder.“ Das Freilichtmuseum am Kiekeberg erhielt 520 Exponate, weitere Schenkungen gingen kürzlich an das Märchenmuseum Bad Oeynhausen und an die Hannoversche Bibelgesellschaft.

Den Kulturpreis des Landkreises Harburg hat Brigitte Kranich gewonnen, am Mittwoch nimmt sie den Lüneburger Meyn-Preis entgegen, das Kiekeberg-Museum ehrt sie Ende Mai mit einer Ausstellung. Aber erst einmal ist Vernissage im Heine-Haus: Am Sonntag, 5. Mai, 11.30 Uhr. Zur Einführung spricht die beste Kennerin ihrer Werke, also sie selbst. Die zur Reihe des BBK zählende Ausstellung „Aus Traum und Wirklichkeit“ läuft bis 20. Mai (sbd./so. 11-18 Uhr).