Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Eine musikalische Familie

aat Lüneburg. Die Cellistin Franziska Borderieux kennt wohl jeder Lüneburger Musikfreund, ihr ältester Sohn Anton spielt als Trompeter in mehreren Ensembles und gewann viele Musikpreise. Auch Antons Geschwister Julius (Klarinette) und Louise (Klavier) sind bereits mehrfache Preisträger. Als Familienensemble, ausgestattet mit hohen solistischen Qualitäten, mit Feinsinn für sehr unterschiedliche Stilrichtungen und mit Freude am engagierten Zusammenspiel, boten die Borderieux‘ in der Diele des Brömse-Hauses anspruchsvolle Werke, unter anderem von Stamitz, Mozart, Chopin, Schumann, Brahms, Grieg und Böhme.

Anton Borderieux, der an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater kurz vor seiner Zwischenprüfung steht, übernahm redegewandt und mit Humor die Moderation. Er begrüßte seine Großeltern aus Lüneburg und Frankreich und stellte seine Mutter, seine Geschwister und Besonderheiten des Programms vor.

Zwei schwungvolle Klezmer-Stücke, gespielt vom Quartett mit Franziska Borderieux am Cello, rahmten ein Programm aus klassischen Werken in verschiedenen Besetzungen. Franziska Borderieux trat nun als Pianistin in Erscheinung. Sie begleitete zunächst ihren Sohn Julius bei Sätzen aus Klarinettenwerken von Stamitz und Poulenc. Mit Anton widmete sie sie sich bravourös dem höchst virtuosen Trompetenkonzert f-Moll von Oskar Böhme, ein teils neckisch, teils sehr gefühlsvoll zu spielendes Paradestück mit Charakter, eine Zwischenprüfungsaufgabe des Trompeters. Und schließlich meisterte sie mit Julius an der Klarinette und Louise an der Viola Mozarts Kegelstatt-Trio, mit Louise folgten temperamentvoll vier vierhändige Walzer von Brahms.

Vielseitigkeit ist eine der Stärken dieser Musikerfamilie. Anton und Julius, bekannt auch aus ihren Ensembles Quintett Avanti und Trio crescendo col legno, glänzten mit dynamisch höchst lebendig interpretierten Partien. Im Duett mit Louise am Klavier spielte Julius, der gerade sein Abitur baut, beseelte Melodien (Schumanns Fantasiestücke). Im Duett mit seinem Bruder Anton gab er dem Duett Nr. 1 des Bassposaunisten Ernst Sachse (1813-1870) Kraft und Schwung. Anton brillierte mit seinem Bruder, glänzte hochvirtuos und launig mit einem Böhme-Werk und zeigte auch mit seiner Schwester, dass es für ihn kaum noch spieltechnische und musikalische Grenzen gibt.

Louise, die ab Herbst an der Berliner Musikhochschule studieren wird, zeigte ihre pianistische Präsenz nicht nur als Bratschistin und Klavierbegleiterin bzw. -partnerin im vierhändigen Spiel. Sie bewies sich mit Musik von Chopin, Brahms und Grieg auch als talentierte, ausdrucksstark musizierende Solistin.

Viel Applaus spendete das Publikum, die Begeisterung war groß. Das von Editha Kroß und Karin Hielscher-Strauß für die Deutschbaltische Kulturstiftung ausgerichtete Konzert wird wiederholt: Himmelfahrt, 9. Mai, 19 Uhr im Brömse-Haus (Anmeldung per E-Mail unter csg@carl-schirren-gesellschaft. de und Abendkasse).