Mittwoch , 28. September 2016
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Gegen Armut und Aberglaube

oc Lüneburg. Wer nach Föhr fährt oder nach Amrum, passiert auf dem Weg zur Fähre vor Schlüttsiel den Hauke-Haien-Koog. Auch Schiffe, Ferienhäuser, eine Apotheke und ein Kindergarten tragen den Namen des Mannes, der nie gelebt hat. Hauke Haien ist die große tragische Gestalt in Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“.

Die Figur des aufgeklärten Deichgrafen, der mit dem Schimmel durch den Nebel geistert, baute Storm aus Vorbildern zusammen, die im Land von Wind, Wasser und Wunderglauben lebten und wirkten. Generationen von Schülern haben sich an dem „Schimmelreiter“ Griffel und Geist zerbrochen, aber der mehrfach verfilmte Stoff wirkt noch heute, und er soll auch auf der Bühne funktionieren. Martin Pfaff und das Team des Theaters Lüneburg erstellen eine Fassung, die am Sonnabend, 4. Mai, um 20 Uhr Premiere hat.

Pfaff war bisher für das Heitere zuständig und wird es wieder sein. Er setzte „Ladies Night“ in Szene, in der Spielzeit 2013/14 ermittelt er die Szenen für die Krimikomödie „Agatha Christies Hobby ist Mord“. Jetzt aber taucht er in die düstere Novelle ein, die der Husumer Storm vor 125 Jahren kurz vor seinem Tod niederschrieb. Mit Dramaturgin Katja Stoppa hat Pfaff eine Fassung erstellt, die wiederum auf einer beruht, die John von Düffel für das Thalia Theater erstellte. „Wir stellen das Erzählen der Geschichte ins Zentrum“, sagt Pfaff. Er greift eine Methode auf, die auch Storm in seiner Novelle nutzte, um ins Geschehen zu ziehen.

„Was mich interessiert, das ist dieses Kämpfen unterschiedlicher Kräfte: Tradition gegen Moderne, Gefühlsbetontheit gegen Intellektualität. Im Grunde ist es große Oper“, sagt Pfaff. Die Konflikte in der Dorfgemeinschaft seien auf heute übertragbar, aber der Stoff brauche keine äußerliche Modernisierung. Zum ersten Mal setze er auf historische Kostüme, sagt Pfaff und schwärmt davon, wie detailgenau Ausstatterin Barbara Bloch die Kostüme entworfen und wie liebevoll die Schneiderei sie genäht habe.

Musik für die Inszenierung schrieb der Berliner Stefan Pinkernell. Sie setze eine märchenhafte Klammer, sagt Pfaff, mache deutlich, dass man in einem Epos sitzt. Dieser Blick von außen auf das Geschehen wird sich auch darin spiegeln, dass die Darsteller wiederholt aus ihren Rollen aussteigen und als Erzähler die Situation aus Sicht ihrer Figuren einbringen.

Fabian Kloiber spielt Hauke Haien, Sigrid Meßner seine Frau Elke und Matthias Herrmann Haukes Vater. In weiteren Rollen stehen Ulrike Gronow, Claudia Grottke, Beate Weidenhammer, Gregor Müller, Philip Richert und Martin Skoda auf der Bühne. Für die Premiere gibt es noch Karten.