Mittwoch , 28. September 2016
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Das innere Band hält

oc Lüneburg. Gründern fällt es in der Regel nicht leicht, ihr Lebenswerk weiterzureichen. Erschwerend kommt im Fall von Claus und Dorothea Hartmann und ihrem Lüneburger Bachorchester hinzu, dass die Gabe des Musizierens dem Menschen weitgehend lebenslänglich mit auf den Weg gegeben ist – was bei Licht besehen natürlich ein großes, erfüllendes Glück ist! Violinist Claus Hartmann, jüngst 80 Jahre geworden, hat sich bei seinem Orchester längst in die hintere Reihe gesetzt, hält aber die Fäden zusammen und gewinnt nach wie vor großartige junge Solisten. Die inneren Bande des Orchesters sind intakt, sodass mit Tochter Leonie Hartmann als Konzertmeisterin immer wieder hochwertige Abende gelingen wie nun in der Klosterkirche Lüne.

Verlassen können sich die Hartmanns auf Freunde aus langen Jahren wie Günter Kyas und über hinzugekommene Musiker wie Renate Bruhn, die glücklich sind, auf gehobenem Niveau großartige Musik spielen zu können. Profis wie Cellist Oliver Göske, der auch solistisch gefragt war, gehören zu den Achsen, die der Qualität ein stabiles Fundament geben. Und noch immer werden junge Talente integriert, wie jetzt Cellistin Lisa-Marie von Mansberg.

Star des Abends war Tobias Feldmann. Der 1991 geborene Geiger behauptet sich gegen manchmal übermächtig scheinende internationale Konkurrenz. Feldmann sammelt bei den großen Wettbewerben Preise und Erfahrung auf internationaler Ebene. Schön, wie er sich in das Bachorchester einhört, um dann dem rekonstruierten, in seiner Herkunft schillernden Bach-Violinkonzert d-Moll (BWV 1052) seinen Stempel aufzusetzen. Feldmann spielt konzentriert, mit hohem Einfühlungsvermögen, mit melodischem Sinn und aus einem inneren Verständnis heraus, bei dem das Forsche zugleich einen weichen Klang bekommen kann. Das Virtuose erscheint nie als Selbstzweck, sondern eines fügt sich auf organische Weise zum anderen.

Das demonstriert Feldmann noch vollkommener bei der Solosonate a-Moll (BWV 1003), eines dieser Werke, die vom Spieler wie vom Hörer ein hohes Maß an Hingabe verlangen. Feldmann ist in dem Werk zu Hause, er kann jede Abweichung einpassen, jedes Detail gestalten, ob es pochende Bässe sind oder Echowirkungen, und natürlich bleibt sein Spiel noch bei artistischem Flug transparent. Große Begeisterung!

Zwischen Feldmanns Auftritten stand ein in seiner Farbigkeit reizvolles Telemann-Werk, bei dem Dieter Krefis (Oboe d’amore), Manfred Seer (Flöte) und Susanne Schmickler (Viola) gelungene Akzente setzten. Nach der Pause fand sich das Bachorchester in leicht aufgestockter Besetzung schnell hinein in Janaceks – alte Muster neu deutende – Streichorchester-Suite aus dem Jahr 1877 und gab schließlich Mozarts 1. Salzburger Sinfonie passenden Schwung mit auf den Weg. Mit dem Bachorchester ist zu rechnen, das ist gut für die Stadt.