Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Wunderlich ist die Liebe

hjr Lünburg. Ach, wie gut es doch die Alten meinen. Sie wollen natürlich das Beste für den Nachwuchs. Und dann klappt es trotzdem nicht. Die junge Frau, fast noch ein Kind, hat andere Pläne als ihr Vater. Es geht, mal wieder, um Liebe und deren Wirrungen. In Kleists Drama „Käthchen von Heilbronn“ handeln alle gegen die eigentliche Bestimmung, machen sich auch lächerlich, verdrängen, bedrängen. Ein Psychogramm vom Feinsten und aktuell bis heute, obwohl 1810 geschrieben. Ein Stück gegen Logik, aber mit pulsierenden Gefühlen und Ausflügen ins Märchenhafte. Das Jugendensemble „vierfünf“ brachte den Text im theater im e.novum unter Leitung von Margit Weihe mit großem Elan und hoher Sensibilität zum Leuchten.

Käthchen, das ist aus heutiger Sicht fast eine Stalkerin. Sie folgt Graf Wetter vom Strahl hündisch auf Schritt und Tritt. Doch als Tochter eines Schmieds verbietet sich diese Liaison. Der propere Adelssohn liebt Kunigunde, eine lasziv ordinäre Xanthippe mit heftigen Allüren. Der Schöne und das Biest: Das kann ebenfalls nicht funktionieren. Am Ende ehelicht der junge Graf doch Käthchen, die sich auf wunderliche Weise als Sprössling des Kaisers entpuppt. Kunigunde, schon in Braut-Outfit, kreischt dem Paar hinterher.

Heinrich von Kleists Stück besticht durch seine klare, schöne Sprache. Die ließ Margit Weihe unangetastet. Sie kürzte indes, und Jonathan Szegedi schrieb dazu Musik, die das Emotionale deutlich unterstreicht. Ein Mini-Chor kommentiert, Käthchens Vater trommelt seine Wut aus dem Bauch, Kunigunde und der Graf besingen ihre Seelenlage, im Schlussbild illustrieren sanfte Töne die Hochzeitsszene mit dem überraschenden Finale. Das alles klappt wie am Schnürchen.

Das karge Bühnenbild von Ricarda Lutz legt vor einer Video-Wand mehrere Fallstricke aus. Darin verfangen sich die Protagonisten in ihren Aktionen und wankelmütigen Stimmungen. So möchte es die Regie, und so agieren die Darsteller. Margit Weihe setzt auf rasantes Tempo, hitzige Dialoge und ebensolche Begegnungen. Eifersucht ist im Spiel, Ränke und sogar ein Attentat. Das gefiel den Zuschauern schon vor 200 Jahren prächtig.

Der Stoff, im Mittelalter angesiedelt, wird vom Ensemble konsequent aus der historischen Umklammerung herausgeholt. Bezüge zur Gegenwart entstehen, jedoch nie plump. Ein fesselndes Stück mit exakt gezeichneten Charakteren entfaltet sich. Jeder ist mit Energie und Konzentration bei der Sache, allen voran Sara Simons als hingebungsvolles Käthchen, Phyllis Pollmann als durchtriebene Kunigunde, Patrick Schunk als kerniger Graf vom Strahl, Dennis Breesem als staunender Knecht und René Röhling als aufgebrachter Schmied Theobald. Das Publikum belohnte den Einsatz mit jubelndem Applaus.