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Alle wollen geliebt werden

oc Lüneburg. Zum Abschied tanzen sie alle für ihn: Marilyn Monroe, Elvis Presley, Maria Callas, Michael Jackson, Amy Winehouse und noch mehr. Stars, deren Leben allerdings tragisch verglühte, widmet Francisco Sanchez Martinez den letzten Ballettabend, den er als Chef der Tanztruppe am Theater Lüneburg in Bewegung bringt. „Seht mich an“, heißt das Stück über Menschen, die das Rampenlicht suchen und von ihm verzehrt werden. Premiere ist in einer Woche, am Sonnabend, 25. Mai, um 20 Uhr im Großen Haus.

Drei Jahre stand der 48-jährige Züricher an der Spitze des Theaterballetts. Das ist keine sehr lange Zeit. Aber Francisco Sanchez Martinez hat eine Menge bewegt: Er hat die Sprache des Tanzes in seiner Vielfalt aufgefächert, mit niveauvollen Werken und dem Anspruch, „einen Stil einzubringen, wie man ihn an großen Häusern sehen kann“. Produktionen wie „Bachgeflüster“ und zuletzt „Auf dem Seil“ stehen dafür. Noch etwas lag dem Choreographen am Herzen: Tanztheater für Kinder. „Das habe ich leidenschaftlich gern gemacht, das war auch für mich sehr bereichernd.“

Leichte drei Jahre waren es dennoch nicht. Die kleine, zu seinem Start neu gecastete Tanztruppe harmonierte nicht recht, zur laufenden Saison gab es erneut starke Wechsel. „Die Chemie muss stimmen, um das kreative Potenzial ausschöpfen zu können. In dieser Spielzeit läuft es aber sehr gut“, sagt Sanchez, der in seiner Karriere als Tänzer an großen Häusern auftrat, etwa an der Deutschen Oper Berlin und der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Choreographen wie Hans van Manen und Uwe Scholz prägten den Tänzer, der in Berlin Choreographie studierte. Quer durch den deutschsprachigen Raum schuf Sanchez Tanzstücke, für Oper und Musical ebenso wie mit Sinn für Ungewöhnliches, ob im Pergamonmuseum oder auf einem Fußballfeld.

Sanchez verfolgt einen hohen Anspruch und fordert von seinen Tänzern viel. An die Grenzen zu gehen, sich neu zu erfinden, zählt dazu. „Kritik ist das Fundament für Veränderung“, sagt er. Die Bühne für „Seht mich an“ wird fast kahl sein, ein Spiegel, eine Fernsehkamera, Licht, viel Licht. „Ich kopiere nicht die Stars, ich zitiere sie“, sagt der Choreograph zu seinem Konzept. „Ich beschränke mich auf die Essenz, darauf, wie es ist, im Rampenlicht zu stehen, und darauf, was hinter Glanz und Gloria steckt.“ Die Figuren werden kenntlich sein, aber eben in der Interpretation durch die Tänzer, die ja auch das Leben im Scheinwerferlicht kennen, Anerkennung suchen, geliebt werden wollen und doch mitunuter einsam sind. Die Musik kommt vom Band, viel Filmisches prägt die Collage. Für das Bühnenbild und die Kostüme zeichnen Barbara Bloch und Frauke Ollmann verantwortlich. „Seht mich an“ steht bis zum 15. Juni fünfmal auf dem Spielplan.

„Ich gehe ohne Groll“, sagt Sanchez. Auf Lüneburg folgt Bangkok. Ab Oktober wird der Choreograph dort zwei Produktionen verantworten — mit einer Truppe von insgesamt 40 Tänzern. Aber jetzt freut er sich auf Marilyn Monroe (Ewelina Kukuschkina), Maria Callas (Claudia Rietschel), Edith Piaf (Robina Stey“er), Elvis Presley (Francesc Fernandez Marsal), Freddy Mercury (Kilian Hoffmeyer), Michael Jackson (Naoki Kataoka), Amy Winehouse (Katerina Vlasova) und Kurt Cobain (Matthew Sly).