Mittwoch , 28. September 2016
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Ich bin hier glücklich gewesen

oc Lüneburg. Die Sache mit dem guten Ton hat Urs-Michael Theus schon als Jugendlichen gepackt. Da musste ihm seine Mutter die beste Stereo-Anlage weit und breit kaufen, weil sich der Junge – ein wenig wider Erwarten – gute Noten erbüffelt hatte. Auf der Suche nach dem bestmöglichen Ton erforscht der Dirigent Theus heute möglichst originale Partituren, egal, ob er nun eine Oper vorbereitet oder eine Sinfonie. Seit 1998 hat Theus das am Theater Lüneburg so gemacht, an die 50 Premieren vorbereitet, einstudiert und dirigiert. Vorbei. Theus packt ein, seine Zeit am Theater läuft ab. „Ich bin hier glücklich gewesen“, sagt er. Am Mittwoch, 29. Mai, dirigiert er zum letzten Mal als Musikdirektor eine Oper am Theater Lüneburg: „Madame Butterfly“.

Urs-Michael Theus hat sich um das Theater verdient gemacht. Das ist eine gern genutzte Floskel, aber sie stimmt ja. Der 53-Jährige hat aus dem Orchester des Theaters die Lüneburger Sinfoniker geformt. Der Weg dorthin ist eng mit den Meisterkonzerten verbunden, bei denen sich die Musiker ein neues Publikum eroberten und ein enormes Repertoire erarbeiteten. „Da hatte sich zwischen uns eine schöne Symbiose entwickelt“, sagt Theus, nun schon fast im Rückblick.

Soll er Produktionen des Theaters benennen, die ihm besonders am Herzen lagen, denkt er lange nach, sein Blick wandert in die Ferne. „Ich denke eigentlich an alle Produktionen gern zurück“, sagt er dann und nennt doch Strawinskys „Rake’s Progress“ und das Musical „Les Miserables“. Er erinnert sich auch noch lebhaft an sein erstes Lüneburg-Dirigat überhaupt. „Das war beim Theaterfest 1998 mit der Ouvertüre zu ‚Figaros Hochzeit‘, das kam supergut an.“ Wenig später leitete er als erste Oper „Zar und Zimmermann“. Das Lortzing-Werk rückt als letzte Premiere der laufenden Spielzeit wieder in den Plan – nun ohne Theus.

Mit Antritt von Hajo Fouquet als Intendant war Urs-Michael Theus klar, dass er keine Lebensstellung in Lüneburg besitzt. Jetzt, kurz bevor er unkündbar wäre, muss sich Theus neu orientieren – „rein mit Blick auf die Karriere hätte ich das viel früher tun müssen.“ Aber Theus liebte seine Aufgaben rund um das Theater, er lebt gern in Lüneburg, vor allem lebt auch seine Familie hier.

Zu den Stationen vor Lüneburg zählen das Theater Erfurt, sodann Gotha, wo Theus Chefdirigent des Thüringischen Symphonieorchesters war, als Kapellmeister wirkte er außerdem am Theater Magdeburg. Studiert hatte Theus in Dresden, unter anderem bei Hartmut Haenchen. Dass Theus neben den vielen Aufgaben für das große Musiktheater breit aufgestellt ist, zeigen seine Programme. Er studierte Bach-Matineen in der Ritterakademie ein, er leitet vom Klavier aus das kleine T.NT-Musical „Die letzten fünf Jahre“, und er wird noch einen großen spätromantischen Brocken in Lüneburg dirigieren: Bruckners „Neunte“, ein nicht vollendetes Werk. Theus führt es mit der Magdeburgischen Philharmonie am 9. Juni beim letzten Meisterkonzert dieser Spielzeit auf.

Der Dirigent hat in jüngerer Zeit – vorausschauend – Kontakte geschärft. „Ich habe in den letzten sieben Monaten mit sieben Orchestern elf Programme erarbeitet“, sagt er. Er arbeitet mit großen Orchestern wie dem Brandenburgischen Staatsorchester, er wird im russischen Rostow erwartet und beim Preußischen Kammerorchester. So schwer es ihm fällt, das Pult in Lüneburg freizugeben, so sehr kann sich Theus denn doch auf neue, kommende Aufgaben freuen.

Wer den Musiker besucht in der Straße mit dem nur bedingt musikalischen Namen Knotterkamp, kann viel über guten Klang erfahren. Über Partituren natürlich und auch über Sound: Die Hi-Fi-Anlage ist – neben dem Kochen – zum lebenslangen Hobby des Musikers geworden. Allzu viel Zeit, die Anlage aufzudrehen, hat er in den kommenden Wochen aber nicht. „Carmen“ ruft. Seit vergangenem Sommer ist Theus Generalmusikdirektor der Eutiner Festspiele. „Carmen“ studiert Theus zum 12. Juli ein, die „Zauberflöte“ zum 26. Juli.