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So treu und so stur

oc Lüneburg. Auf den Hund gekommen ist die Kunst schon zu Zeiten, als sie noch gar nicht Kunst hieß. Erste Hunde wurden 4500 Jahre vor Christi in den Fels gekratzt. Sie blieben seither im Bild und wurden zu treuen Begleitern der Kunstgeschichte. Der Hund taucht als Hüter des Hauses auf, meistens aber geht er allein oder in der Meute auf die Hatz nach wilden Tieren. Der angeblich beste Freund des Menschen wandelt sich im Leben und in der Kunst: Er dient der Repäsentation – ein nervöser Windhund für den Herrn, ein putziges Schoßhündchen für die feine Dame. Er wird vermenschlicht, er wird abstrahiert – mit so einem Hund kann man eben viel machen bzw. malen. Und nun kommt Philipp Pahl ins Spiel.

Bei ihm wird alles Marke. Das liegt an seinem Beruf, denn Pahl leitet seit zehn Jahren in Lüneburg eine Werbeagentur. Sie führt einen Stier im Logo, bei Pahls Malerei aber kommt zum Hund nur der Esel, und die Marke heißt „Treukopf“.

Philipp Pahl ist 35 Jahre jung, trägt immer ein weißes Hemd – „mein Markenzeichen“. Wie alle, die malen, sagt er, dass er das früher schon gern betrieb, aber lange schlummern ließ. Zurück zum Bild kam er, als er für zwei Monate nach Mallorca ging, den halben Tag gearbeitet hat, die andere Hälfte war fürs Nichtstun reserviert. Das kann Pahl nicht so gut. Der eine entspannt beim Putten, der andere läuft durch den Wald, Pahl besorgte sich Leinwände, Farben, Pinsel – und malte Hunde. Er ist in der Heide mit Hunden und Pferden aufgewachsen, hat selbst einen Labrador namens Amy. Und Hunde liegen ihm nun mal am Herzen.

Pahls Bilderhunde haben Power, er malt sie im Stil der Pop Art, oft als Porträt, in starken Farben, fast immer leuchtet ein Neon-Ton aus dem Fell. Porträts entstehen nach Fotos, und dann gibt es Bilder mit Esel: Der Hund legt seinen Kopf auf eine Bank und beäugt eine Eselsfigur, er fordert einen Esel zum Fußballspiel heraus, er apportiert einen Plüschesel. Der Esel zum Hund schrie sich auf Mallorca in Pahls Leben. „Da legte einer jeden Morgen um fünf los, den habe ich besucht“, bald sah und malte Pahl viele Esel auf der Insel. „Auch Esel können zu treuen Gefährten werden“, sagt er – und sie passen zur Marke „Treukopf“.

Pahl blieb mit seiner neuen Marke nicht allein. Die Fotografen Christian Lohfink und Phillip Gätz stiegen mit ein und schufen eigene, originelle Beiträge mit Hund und Esel, zu sehen auf www.treukopf.de. Dafür fanden sogar – tiergerechte – Foto-Shootings statt. Das Gesamtergebnis nennt sich zur ersten Ausstellung „Treuköpfe und Sturköpfe“. Sie ist in Hamburg zu sehen, vom 7. bis 9. Juni in der Fabrik der Künste, Kreuzbrook 10. Der 9. Juni übrigens, wenn die Ausstellung endet, ist in Deutschland der Tag des Hundes, da macht der beste Freund des Hundes viel Tamtam drum. Den Eseln wird’s völlig egal sein.