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Spaß ist harte Arbeit

oc Lüneburg. Der Geiger und Musikschul-Vizedirektor Lothar Nierenz ist nicht doof, aber Doof. Der Klarinettist und Bigband-Leiter Alexander Eissele ist — sorry! — vielleicht ein ganz, ganz klitzewinzigkleines bisschen dick, aber in jedem Fall ist er Dick. Dick und Doof, das sind eigentlich Stan und Ollie, sind also die Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy, die jetzt in Lüneburg aufkreuzen — fast echter als echt. Matthias Herrmann hat dem doofen Stan und dem dicken Ollie eine Revue geschrieben und sie im T.3 inszeniert. Alexander Eissele hat die Young Generation Band der Musikschule fit gemacht und Heidrun Kugel den TanzJugendClub. Alle zusammen lassen „Stan und Ollie — Auf Reisen“ zu einem charmanten Spaß von knapp 90 Minuten werden. Die Uraufführung war ausverkauft und wird vom Publikum ausgiebig gefeiert.

Lange gesucht hatten das Theater und die Musikschule, um den krachenden „Blues Brothers“-Erfolg mit den Protagonisten Eissele/Nierenz aufzugreifen. Angekommen sind sie beim wohl berühmtesten Komiker-Duo der Kinogeschichte. Dem Team ging es nicht darum, irgendwelche Sketche nachzuspielen. Da viele zu integrieren waren, musste sich Herrmanns Stück den Talenten der Akteure anpassen; die sich aber auch dem Text. Das ist gelungen. Es gibt funky sprühende Musik der Band, viele originelle Tanzeinlagen und eine Fülle guter Ideen in Simone Anton-Büntings Bühnenbild — mit Lüneburg-Anklängen.

In Lüneburg nämlich landen Stan und Ollie. Sie crashen ihr Auto, weil der doofe Stan dem dicken Ollie einen Stan-und-Ollie-Comic vor die Nase hält. Jetzt sind sogar ihre Anzüge Schrott, Geld haben sie leider nicht. Sie landen beim Herren“ausstatter, versuchen sich als Straßenmusiker und als Soldaten, wollen sich bei der Leuphana einschreiben und einiges mehr. Kurze, botschaftsfreie Szenen schrieb Matthias Herrmann, mit wenig Text. Gut so, denn Dialog ist nicht die Stärke der Musiker als Schauspieler.

Aber diese beiden Typen sind trotzdem sensationell, wie aus dem Film geschnitten. Ob das nun das Verdienst von Regisseur Matthias Herrmann ist, von Kostümbildner Kay Horsinka, von Maskenbildnerin Britta Bannemann, von den Akteuren selbst oder eben von allen zusammen: Lothar Nierenz ist ein umwerfender Stan, Alexander Eissele ein ebenso grandioser Ollie. In Mimik und Gestik vor allem, aber auch in einigen präzis einstudierten Slapstickeinlagen und in der Geräuschabstimmung mit der Band besitzt die Revue ihre besten Seiten. Dass sie in der Geschichte und ihrem Rhythmus nicht immer nur geschmeidig läuft, weil eben sehr viele verschiedene Aspekte und Mitwirkende zu integrieren waren, das lässt sich leicht verschmerzen. Es ist zu spüren, dass das, was so fluffig daherkommt, Ergebnis harter Probenarbeit ist.

Ende gut, alles gut: Stan und Ollie können Lüneburg verlassen! Ihre Revue wird sie in den kommenden Wochen noch einige Male durchstarten lassen.