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Starke Musik, wenig Zuhörer

ele Lüneburg. Es mag am Wetter liegen, schon wieder am Fußball-Finale oder am Lüneburger Publikum: Sicher ist, dass die Organisatoren des 1. LSK-Kulturfestivals in Wilschenbruch deutlich mehr Publikum verdient hätten. Mit einem liebevoll gestalteten Platz, freundlichen Mitarbeitern und einem 1 A-Musikprogramm wollten sie bis zu 1200 Leute anlocken, um den LSK zu unterstützen. Es kamen knapp die Hälfte – über den Tag verteilt. „Wir sind trotzdem zufrieden“, sagt Mitorganisator Ulli Schröder vom Café Klatsch. „Wir haben kein Minus gemacht, hätten jedoch mehr Geld für den LSK verdienen wollen.“

Lokale Bands wie Schwimmer füllten den Nachmittag. Höhepunkte des Abends waren die Auftritte von What’zz Up, der 1stClass Session mit Teilnehmerinnen von „The Voice of Germany“ und das Konzert der Blues-Sängerin Jessy Martens.

Isabell Schmidt und Brigitte Lorenz mögen bei den TV-Shows top gewesen sein, zeigten jedoch auf der kleinen Bühne in Wilschenbruch hie und da Unsicherheiten. Bei einer Jam-Session braucht man eben mehr als nur eine gute Stimme und eine nette Ausstrahlung: Es muss zwischen den Musikern funken, erst dann springt der Funke ins Publikum über. Herausragend waren die Bassistin Leonie Hefele, Keyboarder Simon Grey, der die musikalische „Regie“ des Abends übernahm, Drummer Lui Ludwig sowie Gastgitarrist Michael Lorenz und natürlich Gastgeber Peer Frenzke. Es mag am starken Wind gelegen haben, aber ein bisschen mehr Feinarbeit am Mischpult wäre zu wünschen gewesen: Oft waren die Instrumente lauter als die Stimmen, noch öfter brauchten Musiker auf der Bühne bessere Monitor-Sounds.

Trotzdem: Für gute Qualität sorgt stets die lokale Jam-Session-Heldin Jenniffer Kae, die an diesem Tag ihren Geburtstag feierte. Auf dem Programm standen wie gewohnt Coversongs („Valerie“ von Amy Winehouse, „You’ve Got The Love“ von Florence and the Machine, „Walking by Myself“ von Gary Moore) und eigene Lieder, wie „Flower“ und „Rush“ von Jenniffer Kae, sowie „Heimweh“ von Isabell Schmidt. Für gute Laune zwischendurch sorgte Brigitte Lorenz, die ihrem Ruf als „Ruhrpott-Schnauze““ treu blieb und das Publikum mit „Ihr seid so geil“ und „Alles chica?“ animierte. Mit „Angel“ von Sarah McLachlan beendete Isabell Schmidt nach 75 Minuten eines der kürzesten 1st-Class-Session-Konzerte, die Lüneburg je erlebt hat.

Trotz kühler Temperaturen wurde es „heiß, heiß, heiß“, als der Top-Act auf die Bühne kam. Jessy Martens präsentierte Blues und Rock vom Feinsten und brachte mit ihrer kraftvollen Stimme Herzen zum Klopfen und Hüften zum Schwingen. Die Sängerin mit dem ansteckenden Lächeln präsentierte alte und neue Songs aus ihrem preisgekrönten Album „Break Your Curse“. Nennenswert ist das rührende Lied „You Are Not The One I Need“, das von der Begegnung mit dem Tod handelt. Gänsehaut verursachte ihre Version von Ray Charles‘ „I Don’t Need No Doctor“.

Die Gewinnerin des Deutschen Rockpreis 2012 und des German Blues Awards 2012 ist eine Klasse für sich, eine Urgewalt auf der Bühne, ein Muss nicht nur für Bluesrock-Fans. Ulli Schröder von Café Klatsch holte sie schon mehrmals nach Lüneburg. Dafür – und auch für sein unermüdliches Engagement für die lokale Musikszene und für den LSK – verdient er mit allen, die sich in die Sache reingehängt haben, ein riesiges Dankeschön.