Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Tolle Arbeit, tolle Stadt

oc Lüneburg. Kerstin Batzel kennt sich hervorragend mit der Eisenzeit im mittleren Hellweg aus. Über den Handelsweg auf Höhe von Dortmund und Soest hat sie promoviert. Seit kurzem kennt sie sich auch mit der Radelzeit zwischen Reppenstedt und Lüneburg gut aus. Das ist nun ihr Arbeitsweg, denn Dr. Kerstin Batzel komplettiert als Museumspädagogin das Team an Wandrahm- und Willy-Brandt-Straße, also dort, wo Arbeiter dabei sind, den Winterstau aufzulösen und den Bau des neuen Museums wieder in den Zeitplan zu bringen.

Der Blick aus ihrem Büro fällt auf den Wandrahmpark, frische Blumen stehen auf dem Schreibtisch, und auf dem Foto im Regal krabbelt ihr Sohn auf dem Papa herum. Seit wenigen Tagen ist die kleine Familie nun komplett in Reppenstedt, wohl fühlt sie sich auf Anhieb. „Die Stadt, die Kollegen, das Museum – das passt. Wir haben hier im Museum eine tolle Atmosphäre zum Arbeiten, und die Stadt hat ein unglaubliches Flair“, sagt die 35-Jährige, die aus Essen stammt, in Bochum und Stockholm studierte. Sie ist seit einigen Wochen dabei, sich einzuarbeiten. Kerstin Batzel bringt neben ihre Qualifikation als Archäologin mehr als zehn Jahre Arbeit in der Kulturvermittlung mit. Sie war am Bergbaumuseum Bochum aktiv, im früheren Ruhrlandmuseum Essen und mit einem Volontariat am LVR LandesMuseum Bonn.

„Wann hat man schon die Möglichkeit, dabei zu sein, wenn ein neues Museum entsteht?“ fragt Kerstin Batzel. Das Konzept habe sie fasziniert, Lüneburg kannte sie, also bewarb sie sich. Nun schreibt sie am Konzept für die Kulturvermittlung an dem Museum, das in einem Jahr öffnen soll. Sie erschließt sich die Objekte und ihre Hintergründe, sie tüftelt mit an den Medienstationen, die im Museum Menschen anregen sollen, sich mit dem Wechselspiel und Miteinander von Natur und Kultur zu befassen. „Museumspädagogik“, betont sie, „richtet sich an alle Bevölkerungsgruppen. Wir wollen schließlich alle dafür gewinnen, das Haus zu besuchen.“ Konkrete Projekte bereitet sie auch vor. Aktuell eines mit einer Grundschule, dabei geht es um das Thema Wappen.

Zum Foto geht es in den Patriziersaal. Er dient zurzeit als Lager, da auch der Gründungsbau entkernt wurde und poliert wird. Heiligenfiguren sind verpackt wie Mumien, und der früher in der Bibliothek unterm Glassturz präsentierte Schädel von Abt Boldewin von Mahrenholz lagert als R.1173 im säurefreien Karton. Auch Boldewin wird Kerstin Batzel sicher kennenlernen, spätestens, wenn sie zum Reformationsjahr 2017 Martin Luthers Lehre am Wickel hat, von der hielt der Abt so gar nichts. Aber auch dafür hat Kerstin Batzel noch Zeit – und bis dahin ordentlich Kilometer auf dem Fahrrad hinter sich. Denn darauf freut sie sich auch: die Landschaft rund um Lüneburg mit dem Rad zu erkunden.