Donnerstag , 29. September 2016
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Theater droht Schuldenflut

oc Lüneburg. Künstlerisch gibt es fast nichts zu meckern, der Besuch stimmt auch. Der letzte Monat dieser Spielzeit ist angebrochen. Stücke, Teams und Termine der Saison 2013/14 stehen fest. Alles gut am Theater Lüneburg? Nein. Denn die Diskussion ums Geld und um die Zukunft steht bevor. Erst im Kleinen, bald im Großen. Der aktuelle Wirtschaftsplan weist das prognostizierte Minus in der mittelfristigen Finanzplanung aus, auch wenn es dem Theater gelungen ist, den Betrag auf unter 200 000 Euro zu drücken. Im kommenden Herbst sollen auch die Verhandlungen zwischen den kommunalen Theatern und dem Land Niedersachsen beginnen. Die laufenden Verträge enden 2014.

„Wir liegen bei den 130 Theatern in Deutschland bei den Kennzahlen für Wirtschaftlichkeit immer unter den besten fünf“, sagt Verwaltungsdirektor Volker Degen-Feldmann. Intendant Hajo Fouquet untermauert das: „Im Bereich der Drei-Sparten-Häuser sind wir nach unseren Erkenntnissen das effizienteste Haus.“ Zu den Kennzahlen für Wirtschaftlichkeit zählt der Betrag, den die öffentlichen Geldgeber Land, Stadt und Kreis pro Platz geben oder das Einspielergebnis, das in Lüneburg stets bei mehr als 20 Prozent des Etats liegt. Das Sparpotenzial sei allerdings ausgeschöpft, das war schon in der Ära von Fouquets Vorgänger Jan Aust so. Dass ein Defizit auf das Theater zukommt, ist seit vielen Jahren bekannt.

Aktuell ließe sich das Loch noch mit Rücklagen stopfen, „wir sind noch im grünen Bereich“, sagt Fouquet. Auch habe sich der Besuch in den vergangenen zwei Jahren besser als im Wirtschaftsplan kalkuliert entwickelt. Aktuell steht darin ein Minus von 188 750 Euro. Für 2013/14 steigt es schon auf 269 880 Euro, bis 2017/18 auf 435 000 Euro – wenn nicht etwas passiert. „Es wird eng“, sagt Verwaltungsdirektor Degen-Feldmann.

Mit Preiserhöhungen lässt sich das Defizit nicht ausgleichen. „Wir erhöhen zurzeit alle zwei Jahre um sechs Prozent“, sagt Fouquet, bisher trage das Publikum das problemlos mit. Die Hoffnungen richten sich also auf die kommenden Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen. Die kommunalen Theater haben die neue Ministerin Dr. Gabriele Heinen-Klajic (Grüne) angeschrieben und um ein Treffen gebeten. Die Antwort stehe noch aus, sagt Degen-Feldmann. Ohnehin gibt es vom Ministerium bisher keine Aussagen zur Zukunft der Theater im Land.

Die Ministerin steht allerdings unter Spardruck. In ihr Ressort fallen auch die Universitäten. Deren Etats sollen nach dem Wegfall der Studiengebühren nicht schrumpfen. Da müssen rund 120 Millionen Euro pro Jahr aufgebracht werden. Die Landesregierung spricht von nötigen „Umschichtungen“. Angeblich sollen neun Millionen Euro aus dem Etat des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst kommen.

„Ich habe auch noch kein Signal vom Land“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Er treffe die Ministerin aber am kommenden Mittwoch, da spricht sie in der Ritterakademie ein Grußwort bei einer Tagung zur Zukunft der Bibliotheken. Ulrich Mädge will neben dem Thema Leuphana auch die Theater-Zukunft anschneiden. Ebenfalls am Mittwoch tagt der Wirtschaftsausschuss des Rates. Er wird sich mit den real existierenden Zahlen befassen.