Mittwoch , 28. September 2016
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Die Farben der Teletubbies

ff Lüneburg. „Die Zeit verging mal wieder viel zu schnell“, singen Jan, Lukas, Oliver und Sebastian, „ihr wart ein wunderbares Publikum.“ Es ist Zeit, Abschied zu nehmen, das A-cappella-Quartett winkt und schmachtet, die Trennung schmerzt nach so einem schönen Abend. Die Vier haben jedoch, man weiß ja nie, einen klitzekleinen Zugabe-Block in petto. Und tatsächlich, es wird geklatscht, gejohlt — aber das Konzert ist auch erst 15 Minuten alt. Spaß muss sein, und den kann man mit Maybebop haben. Im Kulturforum Gut Wienebüttel präsentierte sich das Ensemble mit neuem Programm und in alter Form.

Maybebop sind traditionell gleich zwei Abende in der Konzertscheune reserviert, sie ist immer voll. „Weniger sind mehr“ heißt die aktuelle Revue, sie kommt genauso schräg daher wie ihr Titel. Sich auf die Gesangskunst mit Bass (Sebastian Schröder), Bariton (Oliver Gies), Tenor (Lukas Teske) und Countertenor (Jan Bürger) zu verlassen, reicht im A-cappella-Boom heutzutage offensichtlich nicht mehr. Maybebop liefert eine Show mit exakter Choreographie und mit Kostümen in den Grundfarben der Teletubbies (Rot, Gelb, Blau, Grün).

Es gibt Entertainment nach Art klassischer Varietés, den Zauber einer Boygroup, ein paar Takte Queen („Show must go on“), Bee Gees („Staying Alive“), den Schuljungencharme von Reinhard Mey und einen trashigen Erlkönig, dies alles ohne Reibungsverlust. Und spontan sind die Maybebops auch: Auf Zuruf vom Publikum, wie beim Improvisations-Theater, schaffen sie es, ein Lied zu singen, in dem sie Stichworte wie Zackenbarsch, Organspende und Sportabzeichen unterbringen. Und dann ist da noch die Kontaktpflege mit dem Publikum — wer will, darf gemeinsam mit dem Quartett singen, manchmal sogar auf der Bühne.

Dies alles führt im Sauseschritt durch einen unterhaltsamen, zweistündigen Abend. Aber ohne Stimme und Intonation wäre es trotzdem nichts. Das Quartett lernte sich im niedersächsischen Landesjugendchor kennen, 1992 wurde Maybebop (noch in anderer Besetzung) gegründet. Wie der Name entstand, dafür gibt es heute verschiedene Erklärungen; fest steht: Es hat irgendwas mit Bebop zu tun.

Jazz, Pop, Rock, Volkslied — sie können alles singen. Der Countertenor und der Bass wechseln in einer Szene ihre Rolle, und auch das funktioniert, von den Zuhörern bejubelt. Es gibt leise Momente, etwa das Lied vom „Kleinen grauen Falter“, und eine wunderbare Ballade über die Schadensfreude: „Lass Dir Zeit“ erzählt von einem Pastor, der bei einer Hochzeit mit der Braut durchbrennt; zurück bleibt der gehörnte Bräutigam, der stets — „Lass Dir Zeit“! — Verständnis für seine Geliebte hatte. Jetzt bekommt er einen Erpresserbrief aus Afrika, die Hochzeitsreise führte in die Arme von Entführern. Nun, er wird sich Zeit damit lassen.

Apropos Zeit: Sie verging mal wieder viel zu schnell.