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Eine todsichere Angelegenheit

oc Lüneburg. Die Zahl der Morde in Lüneburg ist zum Glück sehr überschaubar. Am kommenden Montag aber, diese Ansage ist todsicher, steigt sie sprunghaft an. Die Schuldigen flüchten nicht, sie sitzen am Schrangenplatz, trinken Bier und weißen Wein, greifen zur Zigarette, sind ausgesprochen fröhlich und neugierig auf das, was nun rund um den Serientäter mit der Neigung zu Gedichten geschieht. Am 1. Juli nämlich beginnt für Kathrin Hanke und Claudia Kröger eine spannende Zeit: „Blutheide“ erscheint, ihr erster Lüneburg-Krimi – überhaupt ihr erstes gemeinsames Buch.

Kathrin Hanke studierte in Lüneburg Kulturwissenschaften, textet heute Werbung, lebt mit ihren drei Kindern in Hamburg. Claudia Kröger lebt mit Freund in Reppenstedt, arbeitet im Verlagsbereich, hat ein Buch für Kinder geschrieben. Über einen Job kamen Frau Hanke und Frau Kröger zusammen, und schnell waren sie Kathrin und Claudia. Da hatten sich zwei, beide heute knapp älter als 39, gefunden und stellten fest: Wir sollten weiter zusammenarbeiten.

„Wir hatten unabhängig voneinander die Idee, ein Buch zu schreiben“, sagt Kathrin Hanke. „Wir hatten beide Lust auf Krimi. Das Regionale war dabei gar nicht Absicht“, sagt Claudia Kröger.

KH: „Das entwickelte sich.“

CK: „Wir haben hier im Comodo gesessen und geplottet, zuerst die Figuren entwickelt, wir brauchten jemanden, um den sich das rankt, das ist Katharina von Hagemann.“

KH: „Ihr Chef war auch gleich da und auch sein Zwillingsbruder, der Barmann.“

CK: „Aus dem Konstrukt konnte man was bauen. Es war uns relativ schnell klar, dass es sich um einen Serientäter handelt.“

KH: „Und dass wir mit Perspektivwechseln arbeiten, die Geschichte von mehreren Seiten erzählen.“

CK: „Wir haben parallel angefangen zu schreiben.“

KH: „Ich mit dem Prolog.“

CK: „Ich mit dem ersten Kapitel.“

Wie sie sich im Gespräch die Sätze zuwerfen, so schreiben und überarbeiten sie auch ihre Texte, im ständigen Hin und Her – „am Ende wussten wir gar nicht mehr, wer was geschrieben hatte.“ Und der Zuhörer gerade auch nicht, wer was gesagt hat. Aber herausgekommen ist ein Krimi, der gut und stimmig gebaut ist – und den Ermittlern viel Platz fürs Privatleben einräumt. Denn Katharina von Hagemann hat nach ihrem Wechsel von München ins übersichtliche Lüneburg die Kartons noch gar nicht ausgepackt, da hat sie mit den Zwillingsbrüdern Benjamin und Benedict schon jede Menge zu tun – der eine ist ihr Chef und der andere, na ja, das kann man/frau ja lesen. Die Brüder haben sich auch seit Jahren nicht gesehen, das hat ebenfalls eine spezielle Bewandtnis.

Für das Autorenteam Hanke/Kröger jedenfalls ging es plötzlich ganz schnell. Kathrin Hanke schrieb den Gmeiner Verlag an – „da hatten wir ein Drittel des Manuskripts fertig.“ Am Tag darauf meldete sich der für Krimis bekannte Verlag, und wenig später hatten die Autorinnen einen Termin zur Abgabe. „Den haben wir geschafft“, sagt die eine, „das haben wir ordentlich gefeiert“, ergänzt die andere.

Lüneburg ist gut zu erkennen in dem Krimi. Geändert wurden lediglich die Namen von – zumindest zum Teil identifizierbaren – Hotels und Kneipen. Der „Lüneblick“ samt Polizeireporter wird wichtig und zur „Lünepost“ wird gegriffen. Tatorte liegen im Herzen der Stadt, aber auch auf dem Parkplatz an der Straße nach Heiligenthal kann Fieses geschehen.

Hanke/Kröger mögen die gleichen Bücher (Stieg Larsson), haben den gleichen Schreibstil, sogar ähnliche Handy-Nummern, sie rauchen beide. „Nur gegenseitig besucht haben wir uns noch nie.“ Ans gemeinsame Auftreten werden sie sich auch erst gewöhnen müssen. Die erste Lesung aus „Blutheide“ findet am 9. August bei Lünebuch statt. Zumindest beim Gmeiner-Verlag kam „Blutheide“ sehr gut an – Verträge für zwei Fortsetzungen sind unterschrieben. Da werden Katharina und die Bene-Brüder noch einiges mit sich und mit der Stadt zu klären haben.