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Lüneburg neu entdecken

ff Lüneburg. Was wissen wir über unsere Vergangenheit? Wer hat dieses Wissen zusammengestellt? Und: Welche Interessen, welche Prämissen wurden dabei verfolgt? Geschichtsschreibung hat viele Facetten. „Kunst und Geschichte“ ist das Thema des Daniel Frese Preises 2013, er richtet sich an Künstler/innen aus der Region, die mit eigenen Methoden das Zeitgeschehen analysieren und darstellen. Jetzt stehen die Gewinner des jeweils mit 3000 Euro dotierten Haupt- und des Nachwuchspreises fest. Im (selbst höchst geschichtsträchtigen) Fürstensaal des Lüneburger Rathauses wurden zwei Künstler-Duos vorgestellt, die auf recht unterschiedliche Art Exkursionen in der Region unternehmen bzw. unternehmen wollen.

Der Preis für zeitgenössische Kunst, zum dritten Mal vergeben, ist eine Initiative des Projekts KIM, hervorgegangen aus dem Innovations-Inkubator der Leuphana Universität. Namensgeber ist der Lüneburger Renaissance-Maler und Kartograph Daniel Frese (1540-1611). Er schuf allegorische Gemälde für das Rathaus, war Chronist, Kommentator und Visionär.

So ähnlich lassen sich wohl auch die Preisträger beschreiben. Gilta Jansen aus Dannenberg konzipierte zusammen mit Gordon Castellane eine breit angelegte, begehbare Installation mit dem Titel „Time Time Time“: eine Art poetisches Spiegelkabinett, gebaut aus Möbeln, Textilien und eben Spiegeln. Kollektive und private Geschichte(n) sollen sich in diesem etwas verschlüsselten Kunst-Raum überlagern.

Den Nachwuchspreis gewannen Daniele Töbelmann und Carola Keitel. Sie wollen den realen Raum — nämlich die Stadt Lüneburg — erkunden, und zwar zunächst als Flaneure, als normale Passanten also. Dieser Streifzug wird fotografiert und reflektiert, aus der Performance gehen Plakate und Objekte hervor, die wiederum in den künstlerischen Prozess mit einbezogen werden. Ziel ist ein Expedition jenseits der gängigen Stadtführungen.

Erstmals hat die — mit bundesweit renommierten Fachleuten besetzte — Jury zusätzlich drei Würdigungen ausgesprochen. Zu Ehren kamen das Kollektiv „R ST“ (Brigitte Raabe, Michael Stephan und Piet Trantel), zurzeit in dem Projekt „Von Haus zu Haus“ des Kunstraums Tosterglope aktiv, der Verdener Sebastian Dannenberg und Monika Jarecka aus dem Kreis Harburg. Sie bekommen kein Geld, aber kostbare Werbung: Die Gewinner werden in den Newsletter-Dienst „Art-Agenda“ mit Sitz in New York aufgenommen, der ihre Namen und Projekte wiederum an weltweit rund 50 000 einschlägige Adressen weitergibt.

Die beiden Hauptgewinner-Duos können sich an die Realisierung ihres Konzeptes machen. Ab 26. Oktober sollen die Ergebnisse in der Galerie Schloss Agathenburg gezeigt werden — auch hier im internationalen Kontext.