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Lesestoff für Sommertage

jwi Lüneburg. Egal ob am Strand, Baggersee, im Freibad oder eigenen Garten, überall werden derzeit Bücher in der Sonne gelesen. Einen richtigen Bestseller wie den Erotik-Roman „Shades of Grey – Geheimes Verlangen“ gibt es in diesem Sommer nicht. Leichte Lektüre gibt es trotzdem genug. Acht Buchhändlerinnen aus Lüneburg und Umgebung haben – stellvertretend für alle – auf Anfrage der Landeszeitung ihre Lieblingsbücher für diesen Sommer verraten. In vielen der vorgeschlagenen Titel geht es um Familiengeschichten, gleich zwei Bücher spielen in Spanien und in Frankreich.

Einen mehrere Generationen übergreifenden Roman empfiehlt Ingrid Henker von Das Buch in Lüneburg: „Und dann kam Paulette“ (Kindler) von Barbara Constantine. Der Bestseller aus Frankreich handelt von Ferdinand, der auf einem alten Hof lebt, seine Frau ist gestorben, sein Sohn zieht auch noch aus. Nur seine Katze ist noch bei ihm. Da der Nachbarin Marceline im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf den Kopf fällt, nimmt er sie auf. Mit der Zeit ziehen weitere Personen in die WG des 60-Jährigen. Die Geschichte über das Leben und seine Zufälle lebt von seinen skurrilen Charakteren.

Waltraud Hohmann, Inhaberin der Buchhandlung Hohmann in Bleckede, hat das Buch „Gold“ (dtv) von Chris Cleave gelesen und war begeistert. Der Roman über zwei Frauen auf dem Weg zur Olympiade verlangt von ihnen eine Entscheidung: Freundschaft oder Konkurrenzkampf. Kate und Zoe sind die besten Radrennfahrerinnen Englands, doch vor dem entscheidenden Wettkampf kommt beiden etwas dazwischen. Kates Tochter ist erneut an Leukämie erkrankt, und Zoes Liebesleben gefährdet ihre Starterlaubnis. Außerdem steht seit Jahren ein Geheimnis zwischen den beiden.

Der Sommer-Favorit für Steffi Hornbostel, Inhaberin der Salzhäuser Buchhandlung Hornbostel, ist ebenfalls eine Generationengeschichte. Das Buch mit dem Titel „Solange am Himmel Sterne stehen“ (Blanvalet) von Kristin Hamel handelt von einer älteren Frau, die Alzheimer hat. Sie bittet ihre Enkelin mit einer Liste von Namen nach Paris zu reisen, um zu schauen, was aus den Personen geworden ist. Die Liebesgeschichte sei deshalb so spannend, weil sie in der Nazizeit spielt, sagt Hornbostel. Im Anhang jedes Kapitels sind Rezepte für Kuchen und Plätzchen. Grund: Das Backen spielt im Buch eine große Rolle.

„Kein Wort mehr über Liebe“ (dtv) heißt der Roman von Hervé Le Tellier, den Annett Matthaei von Bücher am Lambertiplatz für diesen Sommer empfiehlt. „Das Werk ist eher noch ein Geheimtipp“, sagt sie. Die Protagonisten sind zwei Ehepaare und zwei Liebhaber in Paris. Die beiden Ehefrauen sind eigentlich glücklich in ihrer Beziehung, haben zwei Kinder, doch etwas fehlt. Es entspinnt sich ein Beziehungsgeflecht, doch schon bald kommen den Ehefrauen Zweifel darüber, was sie für die Liebe aufs Spiel setzen. Der in Paris spielende Beziehungsroman stellt die Frauen vor eine harte Entscheidung.

Ein ganz anderes Buch als alle anderen legt Anne-Grete Patz, Chefin der Buchhandlung Patz in Bienenbüttel, den Lesern der Landeszeitung nahe. „Auf nach Hiddensee – Die Boheme macht Urlaub“ (edition ebersbach) heißt der Titel, er ist von Unda Hörner geschrieben. In diesem Band sammelt die Kennerin der Avantgarde kleine Geschichten von Berliner Künstlern wie Joachim Ringelnatz und Asta Nielsen, die auf Hiddensee Urlaub machten. „Man kann immer wieder einsteigen, deshalb ist es ideal im Urlaub zu lesen, wo man oft abgelenkt wird“, sagt Patz über das Buch, das sich eher an Frauen richtet.

In der Buchempfehlung von Barbara Stoll von Lünebuch (Buchhandlung am Markt) in Lüneburg geht es um einen Mann, der eine Schreibblockade hat. Der Titel des Buches lautet „Cabo de Gata“ (Rowohlt) und wurde von Eugen Ruge verfasst. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mann, der alles hinter sich lässt, sich in einen Zug setzt und im Fischerdorf Cabo de Gata an der Mittelmeerküste von Andalusien landet. So idyllisch es sich anhört, ist es dort jedoch nicht. Die Einwohner ignorieren ihn, und das Fischerdorf ist eigentlich eine trostlose, vermüllte Geisterstadt. Die Begegnung mit einer Katze verändert alles.

„Eine großartige Liebesgeschichte, die unter anderem im spanischen Bürgerkrieg spielt“, sagt Anja Vogel, Inhaberin der Buchhandlung Vogel in Reppenstedt, über den Frauenroman „Das Haus der Tänzerin“ (Piper) von Kate Lord Brown. Die Geschichte dreht sich um Emma, die nach mehreren privaten Schicksalsschlägen mit einer Schachtel Briefe ihrer verstorbenen Mutter nach Valencia zieht. Dort macht sie sich auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie. Mit viel Herzschmerz erzählt Brown auf zwei Zeitebenen. Im Mittelpunkt stehen die Erlebnisse ihrer Familie im Bürgerkrieg.

Als „sehr spannend mit einem Stück Zeitgeschichte“ beschreibt Magdalene Wille von der Buchhandlung Perl ihr Lieblingsbuch „Das Lied der Stare nach dem Frost“ (Pendo) von Gisa Klönne. Der Familienroman beginnt mit einer Frau, die als Bar-Pianistin um die Welt reist und nach dem Tod ihrer Mutter zurückkehrt nach Deutschland. Die Mutter von Rixa Hinrich ist durch einen Autounfall gestorben, an der gleichen Stelle, wie ihr Bruder ein paar Jahre zuvor. Eine Erklärung findet sie in Mecklenburg, wo sie früher die Ferien verbrachte. Sie entdeckt ein dunkles Familiengeheimnis.