Donnerstag , 29. September 2016
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Mit dem Duden durch die Stadt

Fehler im Umgang mit der Sprache machen wir alle. Wir ärgern uns über sie, und schon kommt ein weiterer hinzu. Rechtschreibfehler in der Zeitung werden bekanntlich nur gemacht, damit sie gefunden werden. Denn Fehler zu finden, fühlt sich in der Regel gut an. Manche wie Axel Hacke füllen damit Bücher und Säle.

Die Fehler der anderen sind also bekanntlich immer die schönsten. Wer Speisekarten liest, landet häufig Treffer. Aktuell, um ein Beispiel zu nennen, bietet ein Lokal in der Lüneburger Innenstadt „knausrige Hähnchenbrust“ zum Mittagessen an. Lecker?

Speisekarten wechseln schnell. Manche Fehler dagegen haben Bestand. Zu den hartnäckigen Fällen gehören die Straßennamen. Lange Jahre gab es in der Altstadt sogar eine Straße mit zwei Namen: „Zur Techt“ hieß es von der einen, „In der Techt“ von der anderen Seite. Heute heißt sie von der Fahrtrichtung her gar nicht (oder haben wir da was nicht gesehen?), gegen die Fahrtrichtung „In der Techt“.

„Für die Schreibung der Namen von öffentlichen Straßen, Plätzen, Brücken u. Ä. gelten im Allgemeinen dieselben Regeln wie für sonstige Namen“, schreibt der Duden in der Regel 162 und fügt hinzu: „Abweichende Einzelfestlegungen durch die jeweils zuständigen Behörden kommen jedoch vor.“ Ob es im Fall der „Kleinen Bäckerstraße“ und der „Kleinen Bäckerstrasse“, beide in der Fußgängerzone nah beieinander zu finden, eine behördliche Einzelfallfestlegung gab, darf wohl bezweifelt werden. Auch eine bewusst schweizerische „Strassen“-Variante – dort gibt es kein „ß“ – darf ausgeschlossen werden.

Auch im zweiten Fall übernahm wohl der Fehlerteufel das Kommando. Es heißt nun mal „Bardowicker Straße“ und nicht „Bardowicker-Str.“ Der Duden diktiert: „Getrennt schreibt man, wenn eine Ableitung auf -er von einem Orts- oder Ländernamen vorliegt“. Das gilt auch, wenn die Straße korrekt Str. abgekürzt wird, der Bindestrich im Bardowicker Fall ist laut Duden nicht vorgesehen. Dass der dort nichts zu suchen hat, bestätigt ein Sprecher der Gesellschaft für deutsche Sprache. Folglich ist auch, um in der Innenstadt zu bleiben, „Ritterstraße“ richtig, „Ritter-Str.“, wie es auf einem weiteren Schild heißt, leider nicht.

Die beiden Hauptfehler lassen sich in einem Namen vereinen: Dazu betreten wir die „Grapengießerstraße“, vom Platz Am Sande aus. Sie darf zusammengeschrieben werden, handelt es sich doch nicht um einen Orts- oder Ländernamen. Alles richtig. Bei Vierorten aber steht die „Grapengiesser-Str.“ Wunderbar – Schwyzerdütsch mit Bindestrich!

Der Bindestrich hat indes sein vom Duden verbrieftes Recht, aber andernorts: „Straßennamen, die mit mehrteiligen Namen zusammengesetzt sind, schreibt man mit Bindestrichen“, heißt es. Durch die „Ernst-Braune-Straße“ führte zum Beispiel völlig richtig der Heimweg bei dieser kleinen Straßennamenkontrolle.

Zum Abschluss zitieren wir Goethe: „Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch eigentlich nicht an; sondern darauf, dass die Leser verstehen, was man damit sagen wollte!“ oc

PS: Fehler in diesem Text sind natürlich entweder nicht vorhanden oder Absicht.