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Neue Wege der Weber

oc Lüneburg. Sie sind ein eingespieltes Team: Rotraut Kahle und Angela Schoop brachten schon einige Ausstellungen auf den Weg, von der Konzeption über die Aufhängung bis zum Layout von Einladung und begleitendem Material. Jetzt haben sie im Lüneburger Heinrich-Heine-Haus Teppiche an die Wand gebracht, anders gesagt Bildgewebe und noch besser Tapisserien. Die Arbeiten stammen aus einer Stiftung, die der 2004 gestorbene Weber Heinz Friedrich Meyer schon 1998 gründete – „zur Förderung der Webkunst“. Am Donnerstag, 25. Juli, wird um 19 Uhr im Heine-Haus eine Ausstellung mit Werken aus der Sammlung eröffnet.

Es ist eine kleine, aber feine Sammlung, die Meyer begann und bei der seit seinem Tod wesentlich Rotraut Kahle die Fäden zieht. Weber Meyer war, Rotraut Kahle bzw. der Stiftung ist es zu verdanken, dass sich die Handweberei am Kloster Lüne erhalten hat und immer wieder zu einem Zentrum zeitgenössischer Textilkunst wird. Der Standort passt ideal, denn das Kloster bewahrt in seinem Teppichmuseum bis ins 13. Jahrhundert zurückgehende kirchliche Textilkunst von Weltrang – unter anderem mit Banklaken, Altardecken und Bildteppichen.

Meyer sammelte, was ihn umgab und prägte. Entsprechend wirft die Ausstellung einen Blick zurück auf Kollegen, deren Werk und Leben eng mit dem des Dahlenburgers verbunden sind. Das beginnt mit der Weberin Irma Wendtland, die mit Prof. Wilhelm von Debschitz nach dem Zweiten Weltkrieg die Webkunst in Lüneburg belebte. Stehen deren Arbeiten noch dem Sakralen nah, was auch für Teile in Meyers (in der Ausstellung nicht vertretenem) Schaffen galt, so zeigt die Ausstellung im Weiteren ein großes Spektrum an Techniken und Themen.

Zu bewundern sind in Werken, die in den Besitz der Stiftung kamen, zum Beispiel die fließenden Farbübergänge in Webereien von Lina Andrea Dippel und die mit Wellpappe erstellten Reliefgewebe von Christiane Dreyer. Thomas Cronenbergs labyrinthischer „Stoff meines (deutschen) Lebens“ drückt das Lebensgefühl seiner jungen Jahre aus, und Ursula Jaeger bringt in ihren großformatigen „Reiseskizzen“ eine Fülle von Gedanken und zeichenhafter Sprachen unter.

Alle Werke dieser Ausstellung sind hervorragend in einer Sammelmappe dokumentiert, mit Bildern und Texten, die von den Künstlern stammen oder die Rotraut Kahle schrieb. Sie blickt schon voraus auf 2015, da kommt die internationale Art Tapestry nach Lüneburg – ins neue Museum. Doch am Donnerstag wird die vor Ort bestehende Webkunst gewürdigt. Dr. Anja Prölß-Kammerer spricht um 19 Uhr im Heine-Haus über „Tapisserien im 20. Jahrhundert“. Die Ausstellung öffnet bis zum 4. August täglich von 10 bis 17 Uhr.