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Steine des Anstoßes

oc Lüneburg. Neue Gebäude lösen, vor allem wenn sie unübersehbar sind, Diskussionen aus. Das entstehende Museumsgebäude bzw. seine Fassade zur Straßenseite hat nach Abbau des Gerüsts zum Teil heftige, in der Mehrzahl negative Äußerungen hervorgerufen – vor allem über Facebook und andere Internetseiten, auf denen schnell, spontan, kurz und emotional reagiert werden kann. In Leserbriefen fiel die Argumentation insgesamt deutlich differenzierter aus.

Ein Blick zurück: 2010 hatte eine 20-köpfige Jury aus Architekten, Stadtplanern, Museumsleuten, Politikern und Fördermittelgebern den Entwurf des Berliner Architekten Jörg Springer empfohlen. Einstimmig, wie Stadtbaurätin Heike Gundermann sagt. Alle Entwürfe, daran erinnert Gundermann, wurden zwei Wochen lang öffentlich ausgestellt und zur Kritik freigegeben. Wie kommt der Bau jetzt, wo er noch nicht endgültig, aber im Kern erkennbar ist, bei den Entscheidern an? Die Landeszeitung fragte bei einigen nach.

Heike Gundermann, Stadtbaurätin der Hansestadt Lüneburg: „Der Bau sei ’sehr kompakt, füge sich gut ein, nehme Bezug zu dem Ort und sei eine gute Ergänzung für unsere Stadt‘ – mit diesen Worten habe ich Anfang Mai 2010 den Entwurf in der LZ vorgestellt. Diese Einschätzung teile ich heute noch immer. Das Zusammenspiel von Alt und Neu ist erkennbar, das Neue biedert sich nicht an. Gleichwohl ist das Museum noch nicht fertiggestellt.

Natürlich ist ein so großer Baukörper an dieser Stelle der Stadt bisher noch ungewohnt. Der Baukörper nimmt mit seiner Klinkerfassade die Materialität der gewachsenen Stadt auf, er ist mit schmalen Lisenen vertikal gegliedert. Die drei versetzten Gebäudeteile beherbergen insgesamt 2900 Quadratmeter Nutzfläche, die Säle sind bis zu fünf Meter hoch und geben so auch außergewöhnlichen Exponaten gebührenden Raum. Diese Dimensionen sind natürlich im Stadtbild wahrnehmbar und sollen es auch sein.

Der entstandene Baukörper ist gut geeignet, den unterschiedlichen Anforderungen von Dauer- und Einzelausstellungen zu entsprechen. Objekte brauchen geschlossene Wandflächen, müssen vor klimatischen Einflüssen geschützt werden.

Ich rate zu mehr Gelassenheit bei der Betrachtung des Gebäudes und wünsche mir, dass sich die Mehrheit der Lüneburger auf das neue Museum freut und künftige Besucher zufrieden sein werden.“

Dr. Christian Lamschus, Vorstandsvorsitzender der Museumsstiftung Lüneburg und Direktor des Deutschen Salzmuseums: „Es ist toll, dass es den Museumsneubau gibt. Ich wünsche ihm den besten Erfolg.“

Dr. Rolf Johannes, Vorsitzender des Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg: „Nachdem einige kritische Kommentare zu dem Museumsbau erschienen waren, habe ich mich noch einmal hingestellt und den Bau in Ruhe angesehen. Ich bin überzeugt davon, dass es ein gutes Stück Architektur geworden ist. Ich glaube, die Lüneburger werden bald sehen, wie gut es hierhin passt. Wenn alle Details – der Schriftzug, die beleuchtete Tür – fertig sind, wird das Haus noch eleganter wirken.“

Prof. Dr. Johannes Prüter, Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins: „Ich stehe zu dem, was dort steht. Der Eindruck ist in dieser Phase des Baus sicher recht wuchtig, aber das wird sich stark auflösen, wenn dort das Umfeld gestaltet ist, sich mit Leben füllt und Bewuchs da ist. Die Fassade zur Ilmenau ist für Lüneburg von großem Wert.“

Heiko Dörbaum, Vorsitzender des Bauausschusses der Stadt: „Aus meiner Sicht ist der Bau architektonisch gelungen, er entspricht meinen Vorstellungen bei der Arbeit mit dem Architekten. Wir haben zweimal mit dem Bau-Ausschuss, Museumsvertretern, dem Architekten und anderen Beteiligten wegen der Fassade diskutiert. Das sollte zunächst ein pechschwarzer Stein sein, wir haben uns aber auf einen helleren geeinigt, der jetzt ja auch einen unterschiedlichen Farbton hat. Wenn die Eingangssituation mit der Treppe fertig ist, lockert das die Fassade auch auf. Letztlich haben wir die richtige Entscheidung getroffen. Es ist eben auch ein Funktionsbau, ein Museum, das braucht geschlossene Flächen. Wichtig ist mir aber, dass die Öffnung mit den großen Fenstern zur Ilmenau ihren offenen Charakter behält.“

Ulrich Völker, Vorsitzender des Kultur- und Partnerschaftsausschusses der Stadt: „Grundsätzlich hatte ich den Entwurf von Zaha Hadid favorisiert, mir war aber auch das Berliner Büro mit Jörg Springer sympathisch, auch, weil die Vertreter offen für Anregungen waren. Im Ergebnis finde ich jetzt die Fassade zur Willy-Brandt-Straße zu abgeschottet, zu unaufgeregt, mehr Temperament hätte mir dort gut gefallen. Innen ist der Bau gut gelungen, das Pfund ist natürlich der Ausblick zur Stadt hin.“